Kind krank? Was Arbeitgeber tun können

Kind krank? 5 Tipps, wie Arbeitgeber helfen können

Wird ein Kind krank, ist das oft für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen schwierig. Denn Mitarbeiter wollen möglichst lange bei ihrem kränkelnden Nachwuchs zuhause bleiben. Chefs allerdings haben ein Interesse an einsatzbereiten Angestellten. Klingt nach einer Herausforderung? Ist es auch. Doch schon mit wenigen Maßnahmen können Unternehmen ein familienfreundliches Klima erzeugen - von dem sie am Ende sogar selbst profitieren.

Fieber, Husten, Übelkeit. Wenn Kinder krank werden, brauchen sie Betreuung. Am besten von den eigenen Eltern. Für Mamas und Papas, die einer geregelten Arbeit nachgehen, kann dies jedoch mitunter problematisch werden. Denn ihnen stehen pro Kalenderjahr nur begrenzt Kinderkrankentage zur Verfügung. Was aber wenn das Kind öfter krank ist? Viele Arbeitnehmer mit Kind stoßen dann an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Und das kann drastische Folgen haben.

Mit Mehrbelastung der Arbeitnehmer steigt Wunsch nach Kündigung

Laut der Studie “Jobzufriedenheit 2019” des Personaldienstleisters Manpower sucht rund jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland eine Position, in der sich “Beruf und Familie besser vereinbaren lassen”. Das ist eine erschreckend hohe Zahl. Vor allem bei Arbeitgebern müssten die Alarmglocken angehen.

Zwar klingt “jeder zehnte Arbeitnehmer” recht harmlos. Doch in absoluten Zahlen sieht die Sache anders aus.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge gab es im 3. Quartal 2019 grob 41,22 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Bundesrepublik. 10 Prozent davon würde bedeuten, dass aktuell über 4 Millionen Menschen in Deutschland ihre Stelle wechseln wollen. Das ist ungefähr die Einwohnerzahl von Kroatien. Oder anders gesprochen: In einem Unternehmen mit 200 Mitarbeitern spielen aktuell 20 Kollegen mit dem Gedanken, die Firma zu verlassen. Nur weil Job und Familie nicht unter einen Hut zu bringen sind - ob nun gefühlt oder tatsächlich.

Wenn das Kind krank ist: Wann darf der Arbeitnehmer zuhause bleiben?

Damit Mütter oder Väter der Arbeit fern bleiben dürfen, müssen einige Voraussetzungen gegeben sein:

  • Das kranke Kind muss unter 12 Jahre sein
  • Der Arzt hat ein Attest ausgestellt
  • Die Betreuung des Kindes ist aus ärztlicher Sicht notwendig
  • Im Haushalt gibt es niemanden, der die Betreuung übernehmen könnte (etwa Oma und Opa, die im selben Haushalt wohnen)
  • Sowohl die Eltern als auch das Kind sind gesetzlich krankenversichert

Eltern im Berufsleben interessiert darüber hinaus, wie viele Tage sie der Arbeit fernbleiben dürfen. Hier kommt es auf den Familienstand sowie die Anzahl der Kinder an.

  • Bei verheirateten Paaren darf jedes Elternteil maximal zehn Tage pro Jahr und Kind zuhause bleiben.
  • Bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage pro Kind.
  • Ab dem dritten Kind gibt es eine Obergrenze, die bei 25 Kinderkrankentagen pro verheiratetem Elternteil liegt.
  • Bei Alleinerziehenden sind es ab 3 Kindern 50 Tage.

Geregelt ist all das in § 45 Sozialgesetzbuch (SGB), fünftes Buch.

Kind krank: Wie sieht es mit der Vergütung aus?

Geht es jedoch um die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber, kommt ein anderes Gesetz zum Tragen. Und zwar § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Dieser Paragraf, der die Vergütungsfortzahlung regelt, lässt allerdings Interpretationen zu, da es darin nicht explizit um kranke Kinder von Arbeitnehmern geht, sondern lediglich um eine “vorübergehende Verhinderung”, und auch kein eindeutiger Zeitraum erwähnt wird. Ohnehin schließen viele Arbeitgeber in Arbeitsverträgen den Vergütungsanspruch laut § 616 BGB dezidiert aus. In diesem Fall zahlt die gesetzliche Krankenkasse, wie in § 45 SGB festgehalten.

Was also können Arbeitgeber tun, um berufstätige Eltern mit kranken Kindern zu unterstützen?

Kind krank: 5 Tipps, was Sie als Arbeitgeber tun können

 

  • Verständnis zeigen

Wenn einer Ihrer Mitarbeiter wegen eines kranken Kindes nicht zur Arbeit kommen kann, zeigen Sie Verständnis. Erstmal geht es nicht um Vorschriften, Verträge, Abmachungen und Pflichten, sondern um soziale Kompetenz. “Hoffentlich geht’s Max bald wieder besser” klingt eben anders als “du hast dieses Jahr nur noch Anspruch auf zwei Kinderkrankentage”.

  • Flexibel bleiben

Wenn Sie als Vorgesetzter merken, dass Ihre Mitarbeiter Familie und Beruf nicht unter einen Hut kriegen, bieten Sie Alternativen an. Das können zum Beispiel Teilzeit- oder Gleitzeitmodelle sein. Auch eine phasenweise Stundenreduktion oder die Möglichkeit, Arbeitsstunden nachzuholen, erweisen sich oft als sinnvoll. Oft nimmt ein Arbeitnehmer dieses Angebot gar nicht an, ist aber dankbar für die Option.

  • Betriebskita anbieten

Nicht jedem Unternehmen ist es möglich, eine eigene Betriebskita zu unterhalten. Aber wenn Ihre Firma “Familienfreundlichkeit” groß schreibt, könnte eine betriebliche Kinderbetreuung auf Ihrer mittelfristigen Roadmap stehen. Frischgebackene Eltern sind oft froh, wenn Arbeit und Kindertagesstätte nicht weit voneinander entfernt sind. Noch besser: die Kita befindet sich in der eigenen Firma! Wenn das Kind dann mal krank wird, ist man als Elternteil zumindest schnell zur Stelle.

  • Homeoffice ermöglichen

Wie man es nun auch nennt: Homeoffice, Remote Work, mobiles Arbeiten. Eltern kleiner Kinder sind immer dankbar, wenn ihr Arbeitgeber das Arbeiten von zuhause ermöglicht. Schließlich muss man nicht in jedem Krankheitsfall eines Kindes 24/7 beim Kind sein. Oft reicht es schon aus, wenn Mama oder Papa zuhause bleiben und von da ihre Arbeit erledigen.

  • Übertragen von Tagen gewähren

Auch gibt es die Möglichkeit, die in § 45 BGB geregelten zehn Fehltage pro Kind auf den Ehepartner zu übertragen. In manchen Familien ist es oft besser, wenn die Mama beim Kind zuhause bleibt. Ist dies der Fall, kann eine Mutter ihren Arbeitgeber bitten, mit dem Arbeitgeber des Ehemannes eine Übertragung der gesetzlichen Fehltage zu vereinbaren. So hätte die Mutter dann Anspruch auf 20 Fehltage pro Kind und Jahr. Der Vater hingegen dürfte dann nicht mehr zuhause bleiben, wenn sein Kind krank ist.

Diese 5 Maßnahmen tragen alle zu einer besseren Unternehmenskultur bei. Ob Sie als Arbeitgeber nur eine oder mehrere der angeführten Punkte umsetzen - Sie stärken damit definitiv Ihr Employer Branding und positionieren sich als familienfreundliche Arbeitgebermarke.

HRworks bietet Krankheit eines Kindes als Abwesenheits-Option

Als Anwender von HRworks können Sie Ihrem Arbeitgeber ohne großen Aufwand Bescheid sagen, wenn Ihr Kind krank ist. Dazu wählen Sie einfach unter “Zeitwirtschaft” die Funktion Abwesenheiten an und erstellen eine Krankmeldung. Sie werden direkt gefragt, ob Sie sich selbst krank melden möchten oder ob es sich um die Krankheit eines Kindes handelt. Sie können Ihrem Teamleiter beziehungsweise Vorgesetzten auch gleich eine kleine Nachricht schreiben, die dieser mitsamt der Krankmeldung erhält.