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Mit diesen 6 Kriterien verhindern Sie Group Thinking | Gastbeitrag

“Wir Ihre Mitarbeiter Sie zum Erfolg tragen” | Textauszug aus "Millennial-Boss" von Madeleine Kühne

04. August 2022 · 8 Min. Lesezeit · Gastautor

Wie spielen Sie optimal die Stärken Ihrer Mitarbeiter aus? Wie gehen Sie mit deren Schwächen um? Und wie stellen Sie auf dieser Basis das optimale Team zusammen? Führungskraftexpertin und Autorin Madeleine Kühne beantwortet diese sowie weitere Fragen und zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie moderne Führung funktioniert.

Schwächen zu schwächen ist zeitaufwändig

Die Konzentration auf die Schwächen der Mitarbeiter ist Zeitverschwendung. Manche glauben, dass man sich auf die Mängel der Mitarbeiter konzentrieren muss, damit diese verschwinden. Doch wenn der Erfolg ausbleibt, entsteht über Wochen und Monate Frustration auf beiden Seiten. Die Führungskraft ist der Meinung, der Mitarbeiter strengt sich nicht genug an oder verweigert  sich. Der wiederum ist genervt, überfordert, gestresst und verliert die Motivation. Niemand möchte ständig seine Schwachpunkte vor Augen gehalten bekommen. Denn es ist schwer, an diesen zu arbeiten. Teilweise ist es sogar unmöglich und oft auch unnötig. Wenn wir im richtigen Job an den für uns passenden Aufgaben arbeiten, spielen unsere Schwächen gar keine Rolle mehr. Stattdessen kommen unsere Stärken zum Tragen und wir können die an uns gestellten Erwartungen mit Leichtigkeit erfüllen.

Genau hier liegt die Aufgabe von Ihnen als Führungskraft. Erkennen Sie die Stärken Ihrer Mitarbeiter und setzen Sie sie entsprechend ein. Die Zusammensetzung Ihres Teams macht den Unterschied zwischen einem erfolgreichen und weniger erfolgreichen Team.

Sie werden feststellen, dass ein oder mehrere Mitarbeiter im Team an einer Stelle sitzen, auf der sie eine absolute Fehlbesetzung darstellen. Mitarbeiter, die Schwierigkeiten mit Kundenkontakt haben, werden sich im Verkauf nie wohl fühlen und dort nicht ihr Potenzial entfalten. Umgekehrt werden Ihnen Mitarbeiter, die den Kundenkontakt lieben, im Innendienst eingehen wie Primeln. Die beste Weiterbildung macht aus einem Kätzchen keinen Tiger und aus einem zuverlässigen Controller keinen charismatischen Verkäufer. Genau deshalb müssen Sie die Stärken der Mitarbeiter herausfinden und diese für sich nutzen. Im Idealfall ergänzen sich die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter sogar. Diese zusammenzubringen und aus ihnen ein Gewinnerteam zu machen, ist die hohe Kunst der Führung.

Vor einigen Jahren, hatte eine meiner Mitarbeiterinnen Startschwierigkeiten. Die Prozesse der Firma waren komplex. Sie stieß mit ihrem Fachwissen schnell an Grenzen. Aber sie hatte ein solides selbstbewusstes Auftreten und konnte sich durchsetzen. Gleichzeitig hatte ich eine Mitarbeiterin im Team, die fachlich ein Ass war. Durch ihre langjährige Firmenzugehörigkeit kannte sie die Prozesse in- und auswendig. Ihre Schwäche war ihr bescheidenes und zurückhaltendes Auftreten. Sie versuchte es immer recht zu machen. Dadurch konnte sie unsinnige Anforderungen der Fachabteilungen nur schwer zurückzuweisen und versank regelrecht in Arbeit. Die Lösung lag auf der Hand. Ich packte die beiden als fachliches Team zusammen. Rambo and the Brain. Die eine Mitarbeiterin beurteilte die Anfragen fachlich, um sie zu qualifizieren. Die andere stieg in den Ring, um diese zu verteidigen oder (wenn nötig) abzuschmettern. Die Schwächen der Mitarbeiterinnen auszumerzen wäre mir wahrscheinlich nie gelungen. Ihre Stärken zu kombinieren sorgte dafür, dass die Schwächen entkräftet wurden. Genau das empfehle ich Ihnen zu nutzen.

Konzentrieren Sie sich auf die Stärken Ihrer Mitarbeiter. Jeder hat Vorzüge, die irgendwo  benötigt werden. Wenn ein Mitarbeiter Ihnen sagt: »Ach, das war doch ganz leicht« oder »Das war doch nichts«, dann werde hellhörig. Er hat etwas mit Leichtigkeit erledigt, woran ein anderer Kollege vielleicht verzweifelt wäre. Setzen Sie das gewinnbringend für das ganze Team ein.

Jeder ist ein Genie! Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.

Albert Einstein

Auf die Zusammensetzung kommt es an

Nicht nur die Stärken der Mitarbeiter sind von Bedeutung. Auch die gute Zusammensetzung ist ein Erfolgsfaktor. Das gemischte Teams von Frauen und Männern überdurchschnittlich erfolgreich sind, hat eine Studie von McKinsey schon im Jahr 2007 ans Licht gebracht und ist damit ein alter Hut. Die deutschen Unternehmen suchen seit Jahren händeringend nach Frauen im Topmanagement, damit sich auch ihre Profitabilität verbessert. Das wissen wir längst. Gemischte Teams sind heute eher die Normalität als die Ausnahme. Es gibt allerdings noch weitere Faktoren, die im Bewusstsein der Führungskräfte noch nicht angekommen sind und die Sie bei Ihrer Personalauswahl berücksichtigen sollten. Chefs tendieren nämlich bei Einstellungsgesprächen dazu, Mitarbeiter einzustellen, die ihnen selbst sehr ähnlich sind. Das liegt in der Natur des Menschen und passiert unbewusst.

Es fühlt sich besser an, jemanden einzustellen, der einem ähnlich ist. Denn sich selbst kennt man schließlich am besten.

Häufig stellt eine Führungskraft nur Mitarbeiter ein, die wie sie ticken. Mit einem ähnlichen Lebenslauf, den gleichen Hobbys, denselben Wertvorstellungen sowie mit deckungsgleichen Stärken und Schwächen. Die Führungskraft hat dann ein homogenes Team (aus lauter Kopien seiner selbst), in dem nichts mehr ausgeglichen werden kann. Im Gegenteil. Das fördert das vom Psychologen Irving Janis geprägte »Group-Thinking«. Ein Phänomen, das durch einheitliches Denken, geringe Kreativität,  Fortsetzen von eingespielten Lösungen (auch bei offensichtlicher Dysfunktionalität) und Repression von Andersdenkenden  gekennzeichnet ist.

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Diese Form von Gleichförmigkeit kann zu sehr schlechten Entscheidungen führen, die manchmal sogar Leben kosten können. So geschah es 1941 in Pearl Habor (Hawaii). Die Vereinigten Staaten hatten japanische Nachrichten abgefangen und entdeckt, dass die Japaner sich irgendwo im Pazifischen Ozean für einen Offensivangriff rüsteten. Die auf Hawaii stationierten Offiziere wurden davor gewarnt, nahmen diesen Alarm aber nicht ernst. Die Gruppendiskussionen am Stützpunkt führten die leitenden  Offiziere zu dem Schluss, dass das nicht möglich sei. Sie glaubten, ein Angriff der Japaner wäre völlig irrational und absurd. Ihr übermäßiges Selbstvertrauen sorgte dafür, dass die Gruppe von ihren Schlussfolgerungen überzeugt war und keine anderen Möglichkeiten zuließ. Der tragische Ausgang des Geschehens ist allgemein bekannt, und der Angriff von Pearl Harbour findet sich in den Geschichtsbüchern wieder.

Damit Ihr Team nicht in kritischen Situationen so aus dem Ruder läuft, stelle ich Ihnen ein paar Kriterien vor, die Sie bei Ihrer nächsten Personalauswahl im Kopf behalten dürfen, um das Phänomen des »Group-Thinkings« zu verhindern.

  • INTROVERTIERT UND EXTROVERTIERT: Ein Team braucht sowohl introvertierte Mitarbeiter, die gut konzentriert arbeiten, zuhören und die Impulse von Kollegen aufgreifen können, als auch extrovertierte Mitarbeiter, denen Teamwork, Austausch und Kollaboration gut liegen und die ihre introvertierten Kollegen mit Leichtigkeit zu neuen Herausforderungen motivieren können.
  • STRATEGEN UND UMSETZER: Es gibt immer Mitarbeiter, die lieber am Konzept und der Strategie feilen, und andere, die lieber die Ärmel hochkrempeln und umsetzen. Das eine geht nicht ohne das andere. Du brauchst eine gute und vor allem eine für deinen Verantwortungsbereich passende Mischung davon.
  • MARATHONLÄUFER UND SPRINTER: Du brauchst die Mitarbeiter für den schnellen, kurzen Sprint und die für die gemächliche und monotone Langstrecke. Teammitglieder, die begeistern und neue Projekte initiieren können, und andere mit Durchhaltevermögen und Ausdauer, um die ersten auch durch die Ziellinie zu bringen.
  • VOM GROSSEN GANZEN INS DETAIL: Wichtig sind Mitarbeiter, die Ideen und Aufgaben grob umreißen können, und andere, die perfektionistisch bis ins Detail alles planen. Die einen sorgen für die Struktur und die anderen dafür, dass alle Inhalte passen.
  • STARS UND STERNCHEN: Ein kreatives Team darf laut einer Studie von Wall-Street-Analysten zu maximal 50 bis 65 Prozent aus Stars bestehen. Gruppen mit zu vielen Leistungsträgern und hellen Köpfen sind weniger effektiv. Die sogenannten Stars können Einzelaufgaben besser erledigen, funktionieren aber schlechter in Teamarbeit. Ihr Ego steht ihnen im Weg.
  • OPTIMISTEN UND BEDENKENTRÄGER: Mitarbeiter, die in allem eine Chance sehen, brauchen konservative Bedenkenträger als Gegengewicht, um neue Ideen komplett zu durchdenken. Dabei können interessante Diskussionen entstehen.

Alle erfüllen ihren Zweck. Je diverser Sie Ihr Team zusammenstellen, desto besser. Komplementarität ist erfolgreicher als Replikation. Es geht darum, miteinander zu arbeiten, statt gegeneinander zu konkurrieren. Dafür braucht es aber auch Spielregeln, damit das heterogene Team performt, anstatt sich in Konflikten zu verlieren. Sie als Führungskraft sollten eine Umgebung schaffen, in der die Mitarbeiter keine Angst haben, Bedenken zu äußern oder Fehler zu machen.

Millennial-Boss: Wie du Boomer und Gen X erfolgreich führst

Bei dem Text handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch “Millennial-Boss: Wie du Boomer und Gen X erfolgreich führst” (Campus Verlag). Es wurden minimale Änderungen bei der Form vorgenommen.

Madeleine Kühne

© Sarah Vogel

Über Madeleine Kühne: Sie passt in keine Schublade und das ist gut so. Madeleine Kühne vollbringt den Wechsel zwischen Führungskraft im Angestelltenverhältnis und selbstständiger Unternehmerin spielerisch. Sie hat in mehreren Fortune-500-Unternehmen in Führungs­funktionen gearbeitet, hat erfolgreich Firmen gegründet und ist derzeit mit ihrer eigenen SAP-Consultingfirma im IT-Markt beratend tätig. Ihr Ziel ist es, stets für innovative Lösungen beim Kunden zu sorgen, damit dieser optimal für die Zukunft aufgestellt ist.

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