Was wirklich passiert, wenn Unternehmen entlassen
In Deutschland gibt es bisher keine einheitliche amtliche Statistik dazu, wie viele Beschäftigte jährlich entlassen werden. Auch aus welchen Gründen und auf welche Weise das geschieht, wird nicht erfasst. Unter den Befragten wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 13,5 % entlassen. Auf die rund 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland hochgerechnet entspricht das fast fünf Millionen Menschen.
Laut des Kündigungsreports 2026 ging der Anteil der Entlassungen nach 2021 zunächst zurück. Seit 2024 steigt er wieder deutlich, von 22 % auf 25 % im Jahr 2025. Betriebsbedingte Gründe dominieren mit 38 %, doch auch Entlassungen aufgrund von KI werden immer häufiger.
Besonders betroffen sind kleine Unternehmen: Von den Beschäftigten aus Unternehmen mit 51 bis 100 Arbeitnehmern wurde in den letzten fünf Jahren jeder Vierte entlassen, mehr als doppelt so viele wie in Großunternehmen. Auch zwischen den Branchen gibt es deutliche Unterschiede. Im Bereich Consulting wurde in diesem Zeitraum rund jeder dritte Studienteilnehmer entlassen, während im Bereich Medien, Presse und Marketing knapp jeder Achte seinen Job verlor.
Die Kommunikation scheitert, so die Befragten, oft schon vor dem Kündigungsgespräch: Für mehr als jeden Vierten kam die Entlassung ohne jedes Warnsignal. Kein Feedbackgespräch, keine Abmahnung, kein Hinweis.
Im Gespräch selbst setzt sich das fort: 53 % der Kündigungsgespräche verlaufen rein formal. Nur 34 % der Betroffenen können ihre Sicht schildern. Bei 40 % ist das Gespräch nach fünf Minuten beendet. Und nicht einmal die Hälfte fühlt sich respektvoll behandelt. Dabei spielt es keine Rolle, wer die Kündigung ausspricht. Ob direkte Führungskraft, Geschäftsführung oder HR-Abteilung – nur rund jeder Zweite erlebt den Umgang als respektvoll. Die Daten legen nahe, dass der Prozess selbst das Problem ist, nicht die beteiligten Personen.
Die häufigste Emotion nach einer Entlassung ist Erleichterung. 32 % der Betroffenen geben an, nach dem Gespräch erleichtert gewesen zu sein. Das deutet darauf hin, dass viele ihre Arbeitssituation bereits vorher als belastend empfunden haben. Denn knapp die Hälfte sagt rückblickend: Meine Lebensqualität hat sich durch die Entlassung verbessert.
Fast genauso verbreitet: Wut. Beinahe jeder Dritte ist nach der Entlassung wütend auf seinen Arbeitgeber oder seine direkte Führungskraft. Als zentralen Treiber nennen die Befragten fehlende Unterstützung durch die Führungskraft während des Anstellungsverhältnisses. Der zweitmeistgenannte Grund für Wut: Die Befragten hatten im Nachhinein das Gefühl, dass ihre Führungskraft auf ihre Entlassung hingearbeitet hat.
Wie die Kündigung übermittelt wird, prägt den emotionalen Nachhall. Wer schriftlich von seiner Entlassung erfuhr, leidet heute mehr als doppelt so oft an Nachwirkungen – etwa Wut, Kränkung oder Selbstzweifeln – wie jemand, der persönlich informiert wurde (27 % vs. 11 %).
Mindestens genauso auffällig sind fehlende Erklärungen. Jeder Siebte hat keine Begründung für seine Entlassung erhalten. Das kann langfristige Folgen haben: Fast jeder Zweite aus dieser Gruppe ist zum Befragungszeitpunkt noch auf Jobsuche.
Abfindungen sind kein Standard in Deutschland: 47 % der Entlassenen gehen ohne finanziellen Ausgleich, in Kleinbetrieben sind es sogar 60 %.
Wer ein Angebot erhält, hat kaum Zeit zum Nachdenken. Die meisten Kündigungsgespräche dauern höchstens zehn Minuten. Trotzdem unterschreiben in diesem Gespräch bereits 26 % eine erste Vereinbarung. Weitere 36 % sagen mündlich zu und unterzeichnen kurz danach. Insgesamt akzeptieren fast zwei Drittel das Erstangebot ohne Verhandlung.
Ob sich diese Eile lohnt, ist fraglich. Jeder vierte Entlassene mit Abfindung empfindet die Summe im Rückblick als nicht ausreichend. Trotzdem landet kaum ein Fall vor Gericht: Nur 8 % der Trennungen enden in einem gerichtlichen Vergleich. Die Mehrheit der Betroffenen nimmt also hin, was ihr vorgelegt wird – unabhängig davon, ob sie es als fair empfindet.
Der Kündigungsreport 2026 zeichnet ein klares Bild: Entlassen wird häufig, gut entlassen selten. Gespräche verlaufen kurz und nüchtern, Raum für Fragen und Emotionen gibt es kaum. Für Unternehmen ist die Trennung ein Verwaltungsakt. Für Betroffene ein emotionaler Einschnitt, der nachwirkt. Wut aus schlechten Trennungen richtet sich häufig gegen das Unternehmen und seine Führung. Und sie wirkt oft nach außen: etwa in Bewertungsportalen, in Gesprächen mit ehemaligen Kollegen oder in der öffentlichen Wahrnehmung. Wer Betroffene respektvoll behandelt, schützt also auch die eigene Arbeitgebermarke.
Wann läuft eine Kündigung besser? Die gesammelten Erkenntnisse dazu finden Sie im Kündigungsreport 2026.
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Kündigungsreport 2026

Pressekontakt
Sophia Wiedmann
+49 761 47954275
sophia.wiedmann@hrworks.de
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