Bei Borussia Mönchengladbach treibt man die Digitalisierung voran (Foto: Christian Verheyen/Borussia)

Mit diesen 3 Strategien treibt Borussia Mönchengladbach die Digitalisierung voran

Seit knapp zwei Jahren forciert Anna Hoenika die Digitalisierung beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Hier erzählt sie, mit welchen drei Strategien der Transformationsprozess gelingt.

Bildcredit: Christian Verheyen/Borussia

Inhaltsverzeichnis

Strategie 1: Kurze Entscheidungswege

Strategie 2: Interne Influencer

Strategie 3: Moderne Unternehmenskultur

1. Digitalisierungs-Strategie: Kurze Entscheidungswege

Insbesondere während der Corona-Krise hat die Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft an Bedeutung gewonnen – so auch im Sportbusiness.

Wir bei Borussia Mönchengladbach haben uns jedoch bereits im Jahr 2018 dazu entschlossen, die Vielzahl an digitalen Themen rund um den Club in einer eigenen Abteilung zu bündeln. Anfang des Jahres fiel dann die Entscheidung, unseren Fachbereich ab Sommer 2020 organisatorisch umzugestalten. Daraus entstanden ist unsere heutige Direktion „Digitale Transformation und Innovation“, für die mittlerweile zehn Personen arbeiten.

Neben meinem Bereich „Digitale Unternehmens- und Kulturentwicklung“ gibt es die Bereiche „Daten- und Systemmanagement“ sowie „E-Sports“. Durch die vorgenommene Umstrukturierung berichtet unser Direktor nun direkt an die Geschäftsführung. Seitdem sind die Entscheidungswege für Projektfreigaben kürzer geworden, sodass wir digitale Themen mit noch mehr Durchschlagskraft implementieren können.

Außerdem haben wir nun die Möglichkeit, in allen wichtigen Runden vertreten zu sein und somit auf allen Hierarchieebenen digital „mitdenken“ zu können. Die Nähe zu den Entscheidern erachten wir als größten Vorteil der neuen Struktur, denn die Digitalisierung muss von oben vorgelebt werden.

2. Digitalisierungs-Strategie: Interne Influencer

Unsere Aufgaben und Projekte ziehen sich durch alle Bereiche des Clubs, weshalb wir uns als Querschnittsdirektion verstehen. Unser Ziel ist es, alle Bereiche sukzessive zu digitalisieren und ihnen Zugang zu entscheidungsrelevanten Daten zu verschaffen.

Rechnen wir aus der oben genannten Struktur den Bereich „E-Sports“ sowie die Softwareentwickler aus der Betrachtung heraus, bleiben nur noch zwei Personen übrig, die das Projektmanagement von Digitalisierungsthemen des gesamten Clubs vorantreiben. Da ist es nachvollziehbar, dass nicht alle Themen gleichzeitig mit der gleichen Priorität bearbeitet werden können.

 


Wir fördern zugleich den abteilungsübergreifenden

Austausch und die Bereitschaft, über den eigenen

Fachbereich hinaus zu denken.

 

Durch die „Internen Influencer“ gelingt es uns, Impulse zur Digitalisierung bidirektional auszutauschen und diese nicht einseitig vorzugeben. Wir fördern zugleich den abteilungsübergreifenden Austausch und die Bereitschaft, über den eigenen Fachbereich hinaus zu denken.

Zudem merken wir, dass das Einbeziehen der jeweiligen Kollegen dazu führt, unsere Akzeptanz im Unternehmen zu steigern und unsere Arbeit somit zielführender ausüben zu können. Um unser digitales Mindset dennoch in alle Abteilungen tragen zu können, haben wir in jedem Fachbereich digital-affine Mitarbeiter identifiziert, die uns bei unserer digitalen Transformation maßgeblich unterstützen können.

Diese „Internen Influencer“ kennen die Herausforderungen ihrer alltäglichen Arbeit am besten und helfen uns dabei, hierfür maßgeschneiderte, digitale Lösungen zu finden. Wir selbst erfüllen hierbei zumeist eine beratende sowie koordinative Funktion, prüfen, ob die technische Lösung in unsere Gesamtarchitektur passt, und überlassen den Experten die fachliche Beurteilung und gegebenenfalls auch die operative Umsetzung.

3. Digitalisierungs-Strategie: Moderne Unternehmenskultur

Die Institutionalisierung der „Internen Influencer“ zeigt, dass uns sehr viel daran liegt, das gesamte Unternehmen bei der digitalen Transformation einzubeziehen. Wir sehen es nicht als zielführend an, isoliert digitale Lösungen zu etablieren und diese den anderen aufzuerlegen. Stattdessen wollen wir vielmehr eine offene Unternehmenskultur als großes Ganzes erschaffen.

So arbeiten wir derzeit zum Beispiel daran, ein internes Schulungskonzept aufzusetzen, in dem MitarbeiterInnen anderen KollegenInnen in bestimmten Bereichen ihr Fachwissen vermitteln. Von einer Excel-Schulung durch unsere Buchhaltung bis hin zu einem Photoshop-Kursus mit unserem Clubfotografen oder eine Ernährungsberatung mit unserem Ökotrophologen sind hier verschiedene Facetten denkbar.

Auch wenn dies kein klassisches Digitalisierungsthema ist, wollen wir mit Hilfe solcher Maßnahmen unterschiedliche Anreize setzen, um die KollegenInnen zu ermutigen über den Tellerrand und die alltägliche Arbeit hinauszuschauen. Ein offenes Mindset sehen wir als enorm hilfreich an, um unsere Projekte erfolgreich implementieren zu können.

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Uns ist bewusst, dass dieser kooperative Ansatz durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen wird und viel Arbeit bedeutet. Dennoch sind wir als Fußballclub mit
ausgeprägtem Teamgeist davon überzeugt, dass es uns mit dem kollaborativen Ansatz gelingen wird, mittelfristig in die Köpfe der KollegenInnen zu kommen und ein nachhaltig digitales Mindset zu etablieren.

Allein aufgrund unserer Struktur und Unternehmensgröße von 250-300 Mitarbeitern haben wir das Privileg, viele Ansprüche, Wünsche und Bedürfnisse der KollegenInnen berücksichtigen und diese gemeinsam diskutieren zu können. Für ein größeres Unternehmen oder gar einen Konzern würde ein solches Vorgehen vermutlich nur bedingt funktionieren und man müsste die Digitalisierung hier sicherlich etwas autarker vorantreiben als wir es derzeit tun.

Anna Hoenika von Borussia MönchengladbachVereinslogo Borussia Mönchengladbach

Anna Hoenika ist seit April 2019 Projektmanagerin für digitale Unternehmens- und Kulturentwicklung bei Borussia Mönchengladbach. In dieser Funktion bündelt sie alle digitalen Themen rund um den Club. Dazu zählen sowohl externe Themen, wie beispielsweise die Steigerung des Fan-Engagements, als auch interne Themen, wie etwa die Vereinfachung und Digitalisierung von Prozessen. Damit einher geht die Implementierung von Maßnahmen zum Etablieren einer modernen Unternehmenskultur.

 

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