Definition sowie Vor- und Nachteile

Vertrauensarbeitszeit

5 Min. Lesezeit | Zur Lexikon-Übersicht

Selbstbestimmte Arbeitszeitplanung durch Mitarbeiter

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Angestellten die Möglichkeit zu Remote Work oder die Arbeit im Homeoffice an an. Dies setzt auch eine gewisses Vertrauens an den Mitarbeiter voraus. Für zahlreiche Arbeitgeber ist diese Form der Kontrollabgabe neu und ungewohnt. Andere Unternehmen setzen das Modell der Vertrauensarbeitszeit schon lange erfolgreich in ihrem Arbeitsalltag um.

Doch was bedeutet Vertrauensarbeitszeit? Welche Vorgaben zur Umsetzung, besonders bezüglich der Zeiterfassung, müssen Sie beachten? Und hat die Vertrauensarbeitszeit auch Nachteile? Diese Fragen beantwortet der folgende Artikel.

Vertrauensarbeitszeit und Überstunden: Wie sind die Regelungen?

Vertrauensarbeitszeit Definition: Was ist Vertrauensarbeitszeit?

Vertrauensarbeitszeit bezeichnet ein Arbeitsmodell, bei dem die Angestellten eines Unternehmens ihre Arbeitszeiten in Eigenverantwortung planen. Dabei gibt der Arbeitgeber lediglich ein Arbeitsvolumen für einen bestimmten Zeitraum vor. Die Arbeitnehmer entscheiden dann selbstständig, zu welcher Zeit des Tages sie ihre Aufgaben erledigen. Außerdem kontrollieren sie eigenverantwortlich, dass sie ihre im Arbeitsvertrag vorgegebenen Stunden pro Monat erreichen.

Bei der Vertrauensarbeitszeit ist eine Zeiterfassung – ob manuell oder digital – nicht notwendig. Voraussetzung zur erfolgreichen Umsetzung ist lediglich die Einhaltung der Zielvereinbarungen durch die Mitarbeiter. Manche Unternehmen setzen die Vertrauensarbeitszeit mit einigen Rahmenbedingungen um. So zum Beispiel mit bestimmten Zeitfenstern am Tag, an denen die Mitarbeiter ihrer Arbeit nachgehen.

Vertrauensarbeitszeit mit Kernarbeitszeit

Bei dieser Variante der Vertrauensarbeitszeit legt der Arbeitgeber bestimmte Zeiten in der Woche fest, an denen für die Mitarbeiter eine Anwesenheitspflicht herrscht. Diese Zeitblöcke dienen einerseits zum Durchführen von Team- und Kundenmeetings. Andererseits fördern sie eine bessere Abstimmung der Arbeit sowie das Zusammenhaltsgefühl im Team.

Als Beispiel für eine Vertrauensarbeitszeit mit Kernarbeitszeit sind zwei Szenarien möglich:

  1. Mitarbeiter arbeiten zum Beispiel in einem Zeitkorridor von 6:00 bis 18:00 Uhr oder 8:00 bis 20:00 Uhr. Wann sie in diesen Korridoren arbeiten, ist ihnen überlassen.
  2. Der Arbeitgeber legt eine Kernarbeitszeit von beispielsweise 10:00 bis 16:00 Uhr fest. Die Mitarbeiter entscheiden dann selbstständig, ob sie ihren Arbeitstag früher beginnen oder später beenden.

Für wen eignet sich die Vertrauensarbeitszeit?

Die Vertrauensarbeit eignet sich besonders für Mitarbeiter einer Branche, die ihrer Arbeit weitestgehend unabhängig nachgehen können. Das bedeutet beispielsweise, dass für sie keine Präsenzpflicht gilt und sie keinen regelmäßigen, festen Kundenkontakt haben.

Für die folgenden Bereiche Bereich eignet sich die Vertrauensarbeitszeit am besten:

  • Dienstleistungssektor
  • Außendienst
  • Verwaltung
  • Softwareentwicklung
  • Redaktion
  • Kreative Berufe
  • Entwicklungsabteilungen
  • Telekommunikation

Für Berufe in den folgenden Bereichen ist das Vertrauensarbeitszeitmodell eher ungeeignet:

  • Ladengeschäfte
  • Callcenter
  • Sekretariate
  • Produktion
  • Krankenhäuser oder Arztpraxen
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Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es bei der Vertrauensarbeitszeit?

Die Vertrauensarbeitszeit unterliegt keiner gesetzlichen Grundlage. Unternehmen steht es somit offen, ob sie die Vertrauensarbeitszeit im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung verankern. Selbst eine mündliche Zusage zur Vertrauensarbeit ist für den Arbeitnehmer schon ausreichend.

Jedoch müssen sich Arbeitgeber an das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) halten. Dies bezieht sich bei der Vertrauensarbeitszeit vor allem auf die folgenden Vorgaben:

  • Werktägliche Arbeitszeiten von 8 Stunden nicht überschreiten (§ 3 ArbZG).
  • Ruhepausen von 30 Minuten bei einer Arbeitszeit ab sechs und bis zu neun Stunden einhalten (§ 4 ArbZG).
  • Ruhezeiten von mindestens 11 Stunden zwischen den Schichten schaffen (§ 5 ArbZG).

Das Gesetz geht von einer Sechs-Tage-Woche aus. Dadurch ist eine wöchentliche Maximalarbeitszeit von 48 Stunden zulässig. Verteilt auf die allgemein übliche Fünf-Tage-Woche ergibt sich eine Höchstarbeitszeit von 9,6 Stunden pro Tag. Somit entsteht erst eine Aufzeichnungspflicht der Zeiten, sobald der Arbeitnehmer diese Stundenmenge überschreitet. Sie sollten jedoch generell Sorge dafür tragen, dass Ihre Mitarbeiter bei der Vertrauensarbeitszeit 40 Stunden pro Woche nicht regelmäßig überschreiten.

Wie erfolgt die Arbeitszeiterfassung bei der Vertrauensarbeitszeit?

Im Arbeitsgesetz ist keine Verpflichtung zur Zeiterfassung beider Vertrauensarbeitszeit festgehalten. In Absprache mit dem Unternehmen übernehmen die Mitarbeiter die Aufzeichnung der Arbeitszeiten häufig selber – teilweise auch projektbezogen. So erhält der Arbeitgeber einen Überblick darüber, für welche Prozesse die Mitarbeiter am meisten Arbeitszeit benötigen.

Laut Arbeitszeitgesetz ist bei Vertrauensarbeitszeit die regelmäßige stichprobenartige Prüfung der Arbeitszeit durch das Unternehmen vorgesehen. So geht der Arbeitnehmer sicher, dass die Arbeitnehmer die Höchstgrenze von acht Stunden Arbeitszeit pro Tag einhalten. Dies dient in erster Linie zur Vermeidung von Überstunden.

Was passiert mit Überstunden bei der Vertrauensarbeitszeit?

Bei der Vertrauensarbeitszeit sind Überstunden und der Umgang mit ihnen im Arbeitsschutzgesetz unter § 16 festgehalten. Dieser verpflichtet Arbeitgeber dazu, jegliche über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Arbeit zu erfassen. Das Unternehmen muss die Aufzeichnungen der Arbeitszeiten über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren speichern.

Ist sich der Arbeitnehmer über die Überstunden bewusst oder hat diese sogar verordnet, werden diese auch vergütet. Dies ist bei der Vertrauensarbeitszeit jedoch selten der Fall, da die Mitarbeiter überwiegend für die Planung und Erfassung ihrer Arbeitszeit selbstständig zuständig sind. Damit bei der Vertrauensarbeitszeit die Überstunden nicht unbezahlt bleiben, sollten Unternehmen eine konkrete innerbetriebliche Regelung wie ein Arbeitszeitkonto umsetzen. Arbeitnehmer gleichen entstandene Überstunden dann zu einem passenden Zeitpunkt wieder aus.

Die Pflichten eines Arbeitnehmers bei der Vertrauensarbeitszeit

Das Modell der Vertrauensarbeitszeit gewährt den Arbeitnehmern ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit bei der Planung ihres Arbeitstages. Im Umkehrschluss erwartet der Arbeitgeber jedoch auch einige Zugeständnisse, damit das Prinzip der Vertrauensarbeitszeit im Unternehmen Erfolg hat.

Zu den drei wichtigsten Erwartungen an die Arbeitnehmer bei der Vertrauensarbeitszeit zählen:

1. Erreichen der festgelegten Ziele

Ob monatlich, quartalsweise oder jährlich – ein Unternehmen hat stets ein bestimmtes Ziel vor Augen. Und die Angestellten tragen Sorge dafür, diese Ziele zu erreichen. Dies ändert sich auch nicht mit der kaum vorhandenen Kontrolle der Arbeitszeit auf Vertrauensbasis. Arbeitnehmer müssen ihre Aufgaben trotzdem erwartungsgemäß sorgfältig und pünktlich erledigen.

2. Effektive eigenständige Arbeit

Das Vertrauensarbeitszeitmodell wirkt nicht unbedingt nur entlastend. Die Mitarbeiter sind dazu angehalten, sich selbst zu organisieren. Sie kalkulieren die wahrscheinliche Arbeitszeit für ein Projekt, strukturieren ihr Vorgehen und werten die Arbeit anschließend aus. Das setzt ein hohes Maß an Selbstmanagement voraus. Funktioniert ein Vorgang nicht wie geplant, liegt es auch in den Händen des Arbeitnehmers, sein Selbstmanagement zu optimieren.

3. Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben

Das entgegengebrachte Vertrauen des Arbeitgebers bei diesem Arbeitsmodell geht über die innerbetrieblichen Vorgänge hinaus. Denn Unternehmen sind an strikte gesetzliche Vorgaben bei der Arbeitszeiteinhaltung gebunden. Werden Ruhepausen und werktägliche Arbeitszeiten vom Arbeitnehmer nicht eingehalten, können betriebliche Prüfungen die Folge sein. Eine saubere Zeiterfassung sowie die regelmäßige stichprobenartige Prüfung beugt dem vor.

Vertrauensarbeitszeit: Vor- und Nachteile

Vertrauensarbeitszeit: Vorteile für Arbeitnehmer Vertrauensarbeitszeit: Vorteile für Arbeitgeber
Hoher Grad an Selbstständigkeit Förderung der Produktivität
Steigende Mitarbeiterzufriedenheit Motivierte Mitarbeiter
Hohe Arbeitsmoral Mitarbeiterbindung
Bessere Work-Life-Balance Weniger Fehlzeiten
Flexiblere Tagesplanung Argument bei der Mitarbeitergewinnung
Geringerer administrativer Aufwand
Vertrauensarbeitszeit: Nachteile für Arbeitnehmer Vertrauensarbeitszeit: Nachteile für Arbeitgeber
Mehraufwand durch Zeiterfassung Hohe Kontrollabgabe
Trennung von Job und Familie verwischt Geringere Planungsmöglichkeiten
Hohes Auslastungsrisiko Hoher Koordinationsaufwand
Ständige Erreichbarkeit vorausgesetzt Unehrlichkeit der Angestellten möglich
Risiko unbezahlter Mehrarbeit

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