Neue Arbeitswelt

New Work

6 Min. Lesezeit | Zur Lexikon-Übersicht

Die neue Art zu arbeiten

Digitalisierung und Globalisierung haben die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten, nachhaltig verändert. Nicht nur die neuen Technologien erfordern Anpassungen auf dem Arbeitsmarkt. Auch Arbeitnehmer haben neue Ansprüche hinsichtlich der eigenen Entfaltung und Wertschätzung am Arbeitsplatz.

In den vergangenen Jahren hat sich besonders der Megatrend New Work bei modernen Unternehmen etabliert. Aber was genau versteht man unter der New-Work-Bewegung? Ist die Euphorie um diese Arbeitsform gerechtfertigt? Oder gibt es bei den verschiedenen Modellen von New Work auch Kritik? Antworten sowie unterschiedliche New-Work-Beispiele erhalten Sie im nachfolgenden Beitrag.

New Work Definition: Was ist New Work?

New Work bezeichnet den sich im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung ändernden strukturellen Wandel des Arbeitsmarktes. Dabei rückt beim New-Work-Ansatz besonders das neue Verständnis von Arbeit in den Vordergrund: weg vom kapitalistischen Gedanken zur Sicherung der Existenz, hin zur Wahrnehmung des Arbeitsplatzes als Ort der Selbstverwirklichung.

Der New-Work-Begriff bezeichnet jedoch kein bestimmtes Arbeitsmodell. Es ist vielmehr eine Zusammenführung mehrerer Arbeitskonzepte, die als zentrale Elemente Freiheit, Eigenständigkeit, Sinnhaftigkeit und Inklusion haben.

Frithjof Bergmann, oder: Woher kommt New Work?

Das Konzept von New Work geht auf den österreichisch-US-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann zurück (1930-2021). Der in Deutschland geborene Begründer der New-Work-Bewegung wanderte nach dem zweiten Weltkrieg in die USA aus, wo er an renommierten Universitäten wie Princeton Philosophie studierte und später auch lehrte. Zentrales Thema seiner Forschung war der Begriff der “Freiheit”. Dabei war er jedoch nie ein reiner Theoretiker. Ganz im Gegenteil: Frithjof Bergmann beriet öffentliche Organisationen genauso wie Unternehmen und Gewerkschaften bei der praktischen Umsetzung seines New-Work-Konzepts.

Was bedeutet New Work? Der Megatrend im Überblick

Was bedeutet New Work für den Arbeitgeber?

Wenn Sie als Arbeitgeber über die Umsetzung von New Work im Personalmanagement und Arbeitsumfeld nachdenken, müssen Sie vor allem empfänglich für Veränderungen sein. Die New-Work-Ideen verändern einen Großteil der Arbeitsstrukturen eines Unternehmens, was für einige Arbeitgeber abschreckend wirkt. Wenn Sie jedoch offen für die neuen Prozesse sind, profitiert nicht nur Ihr Unternehmen, sondern auch Ihre Belegschaft von der New-Work-Bewegung.

Folgende Konzepte und Maßnahmen sind maßgeblich am Erfolg von New Work in Unternehmen beteiligt:

Moderne Technik

Ein Hauptbestandteil von New Work ist die Möglichkeit zur Arbeit von zu Hause oder einem anderen Ort aus. Um dies umzusetzen, muss auch die technische Infrastruktur bereitgestellt werden. Laptops und Arbeitshandys sind elementare Bestandteile der New-Work-Ideen. Zudem müssen alle Arbeitsprozesse ortsunabhängig durchführbar sein. Voraussetzung dafür ist der Zugriff auf das unternehmensinterne Netzwerk sowie Anrufweiterleitungen durch eine entsprechende Software.

Angepasstes Arbeitsumfeld

New Work fördert aktiv die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Um diese ergebnisorientiert zu verwirklichen, bieten sich Open-Space-Büros, Meetingräume sowie ruhige Rückzugsmöglichkeiten besonders gut an. Für einige Unternehmen lohnt sich eventuell auch die Überlegung, Büroräume nur temporär zu mieten, wenn die Mitarbeiter zum Großteil remote arbeiten.

Neue Führungsmethoden

Das New-Work-Modell zeichnet sich durch flache Hierarchien aus – Entscheidungen werden gleichberechtigt getroffen. Dies erfordert jedoch Führungskräfte, die zur Abgabe von Kontrolle und Förderung von Partizipation bereit sind. Das funktioniert nur, indem der Vorgesetzte seinen Mitarbeitern vertraut, einfühlsam ist und aktiv zur Mitsprache anregt. Durch eine positive Fehlerkultur wird Mitwirkung und Entscheidungsfreudigkeit der Arbeitnehmer zusätzlich gefördert.

Agile Projektführung

Unter agilem Projektmanagement versteht man Vorgehensweisen, um Projekte dynamisch durchzuführen. Durch die Abgabe von mehr Verantwortlichkeiten an kleinere Expertenteams, regelmäßige Feedbackrunden sowie kurze Entscheidungswege reagieren Mitarbeiter viel schneller und flexibler auf neue Gegebenheiten. Dadurch steigt nicht nur die Produktivität, die Angestellten fühlen sich durch die Entscheidungsgewalten obendrein wertgeschätzt und motiviert.

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Was bedeutet New Work für den Arbeitnehmer?

Der Trend New Work bezeichnet für Angestellte ein neues Arbeiten. Den klassischen Lohnarbeiter, der seine Anweisungen vom Arbeitgeber erhält und durchführt, gibt es in diesem Arbeitsmodell nicht mehr. Vielmehr gestaltet sich die Arbeit nun deutlich freier, flexibler und partizipativer.

Bei den Angestellten macht sich New Work in der Umsetzung durch die folgenden Punkte deutlich:

Mehr Eigenverantwortung

Durch flache Hierarchien gewinnen Arbeitnehmer in der New-Work-Bewegung Mitspracherecht bei Entscheidungen und Vorgehensweisen. Außerdem erhalten sie mehr Freiräume in der Gestaltung ihres Arbeitstags sowie der Wahl des Arbeitsortes. Ein fester Arbeitsplatz wird somit obsolet. Grundvoraussetzung für den Erfolg dieser Maßnahmen sind eine entsprechende Selbstorganisation und Vertrauenswürdigkeit der Mitarbeiter.

Raum für Selbstverwirklichung

Durch die New-Work-Methoden wird der Job nicht mehr als Mittel zum Zweck, sondern als Ort der Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung wahrgenommen. Das Gehalt verliert somit beim Prinzip New Work an Bedeutung. Vielmehr wird auf Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung oder familienfreundliche Modelle wie der 6-Stunden-Tag, die 4-Tage-Woche, Gleitzeit oder Sabbaticals geachtet.

Work-Life-Balance

Die Mitarbeiter bestimmen selbstständig, wie sie Arbeit und Alltag verbinden. Sie legen fest, wann und von wo sie arbeiten und können am Arbeitsplatz auch private Anliegen klären oder nach Feierabend nach Bedarf Projekte bearbeiten. Aufgrund der zeitlichen Flexibilität erhalten Mitarbeiter so mehr Zeit für Familie und Freizeit.

Doch bringt diese Entwicklung von New Work auch Kritik mit sich,  wenn diese zum Work-Life-Blending führt. Das bedeutet, dass Arbeit und Alltag immer schwerer trennbar werden und der Feierabend nicht klar definiert ist.

Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit (Mixed Teams)

Das starre Abarbeiten und Weiterreichen eines Projekts von Abteilung zu Abteilung gehört beim New-Work-Konzept der Vergangenheit an. Bei den neuen Arbeitsweisen wird die bestmögliche Lösung angestrebt, weshalb die geeignetsten Kandidaten aus den jeweiligen Abteilungen in einem Mixed Team zusammengeführt werden.

Durch dieses New-Work-Modell werden Projekte nicht nur effektiver und zufriedenstellender abgeschlossen, das Netzwerken innerhalb des Unternehmens wird zusätzlich gefördert.

Innovative Arbeitsweisen

Bei den New-Work-Ideen stehen Gedanken wie Spaß an der Arbeit oder die Förderung der Kreativität im Vordergrund. Diese bringen allerdings nichts, wenn der Umsatz nicht stimmt. Neue agile Arbeitsweisen wie Design Thinking, Scrum oder Kanban sollen daher die Produktivität fördern und trotzdem den Spaß beibehalten.

Knowledge Worker und Learning Worker

Als Schlüsselfiguren eines Unternehmens mit New-Work-Strukturen rücken die Knowledge und Learning Worker in den Mittelpunkt. Der Knowledge Worker, oder „Wissensarbeiter”, verbindet innovative Lösungsansätze mit Kreativität. Das Wissen zu diesen neuen Vorgehensweisen erhält der Knowledge Worker durch betriebsinterne Schulungen.

Der Learning Worker, oder “lernende Arbeiter”, zeichnet sich durch die Bereitschaft zu kontinuierlichem Lernen und Weiterbilden aus. Er denkt über das klassische Online-Seminar hinaus, zeigt Interesse an verschiedenen Themenfeldern und Lernmethoden und beendet seine Fortbildung nicht nach dem Abschluss einer Lerneinheit er lernt kontinuierlich.

New-Work-Vorteile New-Work-Nachteile
Flexible Arbeitszeiten Störung von Arbeitsabläufen bei zu schneller Einführung
Mehr Entscheidungsmöglichkeiten durch flache Hierarchien Nur mit funktionierender IT-Infrastruktur möglich
Bessere Work-Live-Balance Keine
Effektivitätssteigerung durch ein dynamisches Projektmanagement Zusätzliche Datenschutzrichtlinien
Ortsunabhängiges Arbeiten durch digitale Tools Vorausgesetztes technisches Know-how könnte ältere Arbeitnehmer abhängen
Stärkeres Teambuilding durch abteilungsübergreifendes Arbeiten Arbeitsplatzwegfälle durch mehr Automatisierung
Steigerung der Produktivität bei richtiger Umsetzung Mehr Aufwand bei der Organisation und Struktur des Unternehmens durch mehr gegebene Freiheiten
Neue Arbeitsfelder und Jobmöglichkeiten
Keine

Wie setzen Sie New Work im Unternehmen um?

Die Umsetzung der New-Work-Methoden setzt in erster Linie das richtige Mindset eines Unternehmens, seiner Entscheider sowie seiner Mitarbeiter voraus. Kommunizieren Sie das Konzept New Work von vornherein transparent an die Belegschaft. Denn New Work lässt sich nicht von heute auf morgen implementieren. Erklären Sie die neuen Arbeitsformen und leben Sie diese möglichst vor.

Dabei hilft es bereits, wenn die New-Work-Elemente vorerst nur stückweise und lediglich mit Teilen der Belegschaft umgesetzt werden. Dies sorgt für eine angemessene Eingewöhnungsphase und wertvolles Feedback hinsichtlich eventuell nötiger Anpassungen der New-Work-Ansätze. Zudem teilen die Kollegen, die sich bereits an ihre neue Arbeitswelt gewöhnt haben, den anderen Teammitgliedern ihre Erfahrungen mit. Dadurch werden die Änderungen für den Rest der Belegschaft greifbarer.

Erst wenn die Angestellten, die Vorgesetzten, die Technik sowie die Arbeitsprozesse auf die Arbeitsweisen abgestimmt sind, greift das New-Work-Konzept und die Vorteile von New Work treten ein.

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