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Humble Leadership – wie bescheidene Führung funktioniert

Humble Leadership bedeutet per Definition "bescheidene Unternehmensführung"

25. Mai 2023 · 6 Min. Lesezeit · HRworks Redaktion

Um Angestellte langfristig zu binden, passen immer mehr Unternehmen ihren Führungsstil an die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Besonders die jungen Fachkräfte der Gen Z erwarten Führung auf Augenhöhe, möchten sich einbringen und Prozesse aktiv gestalten. Damit dies konfliktfrei möglich ist, bedarf es sogenannter “Humble Leadership”. Doch was genau bedeutet das und wie gelingt es, dieses Konzept ins Unternehmen einzuführen?

Definition – Humble Leadership, was ist das?

Humble Leadership bedeutet wörtlich übersetzt “bescheidene Führung”. Das Konzept basiert auf dem Buch “Humble Leadership: The Power of Relationships, Openness and Trust” von Edgar H. Schein und Peter A. Schein. Es zielt darauf ab, die Beziehung zwischen Führern und Geführten neu zu gestalten: Weg vom Übertragen der Aufgaben an Untergebene hin zu selbstbestimmtem Handeln aller Angestellten eines Unternehmens.

Offenheit, Vertrauen und kooperativer Informationsaustausch bilden die Grundlage für diesen Führungsstil. Wichtig ist: Humble Leadership bezieht sich nicht ausschließlich auf Vorgesetzte und Untergebene. Vielmehr beschreibt es eine multifunktionale Führungskultur innerhalb jedes Teams auf allen Ebenen eines Unternehmens.

Was bedeutet New Work im Kontext von Humble Leadership?

Eines der Kennzeichen von New Work ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen hohen Anspruch an persönliche Entfaltung und Mitbestimmung im Arbeitsumfeld haben. Förderlich dafür sind authentische zwischenmenschliche Beziehungen und flache Hierarchien im Unternehmen. Erhält jeder einzelne Angestellte die Möglichkeit, selbstorganisiert und eigenverantwortlich zu arbeiten, erledigt er seine Aufgaben intrinsisch motiviert und somit deutlich engagierter.

Hintergrund: Wie ist Humble Leadership entstanden?

Das Konzept Demut gelangte bereits vor gut zehn Jahren über die Wirtschaftsethik in die Managementlehre. Aufgrund des Fachkräftemangels und der sich ändernden Erwartungen von Mitarbeitern an die Employee Experience und den Purpose eines Unternehmens entwickelt sich die Führung auf Augenhöhe zum aktuellen Führungstrend. Zudem ist die vertrauensbasierte Beziehung zwischen Führenden und Geführten essenziell, da Angestellte zunehmend orts- und zeitunabhängige Arbeitsmodelle einfordern.

Welches Ziel verfolgt bescheidene Führung?

Humble Leadership zielt darauf ab, qualifizierte Expertenteams zu schaffen, die sich gegenseitig unterstützen und inspirieren, anpassungsfähig sind und organisch wachsen. Längst ist es nicht mehr ausschließlich die Aufgabe von Marketing und Vertrieb, Kundenbeziehungen zu gestalten. Vielmehr trägt jede Abteilung dazu bei, mit kreativen Ansätzen die individuellen Wünsche der Kundinnen und Kunden zu erfüllen. Auf diese Weise entsteht ein dynamisches und innovatives Umfeld, das Angestellte bindet und Talente anlockt. Der Sinn dahinter: Nicht nur die Führung, sondern alle Mitarbeiter denken, handeln und leiten im Sinne des Unternehmens.

Was ändert sich durch Humble Leadership?

Demütige Führungskräfte erkennen an, dass sie ohne ihre Untergebene nicht führen können. Ihr Wert ergibt sich also aus der Qualität ihrer Beziehungen zum Team. Um diese optimal zu gestalten, delegieren moderne Führungskräfte nicht von oben herab – sie unterstützen.

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Welche Fähigkeiten brauchen moderne Führungskräfte?

Humble Leader zeichnen sich durch ehrliche Selbsterkenntnis, authentische Anerkennung, bescheidene Offenheit und geduldiges Vertrauen aus. Das bedeutet, dass sie Fehler eingestehen, Grenzen benennen, kritikfähig sind und Hilfe annehmen. Außerdem erkennen sie Fähigkeiten und fördern diese. Zusätzlich enthalten sie anderen keine Informationen vor, um daraus einen Vorteil für sich selbst zu ziehen. Obwohl sich moderne Führungskräfte nicht in den Vordergrund drängen, übernehmen sie Verantwortung. Zudem zeigen sie Vertrauen: Ihre Angestellten erhalten Raum für Eigeninitiative und persönliche Entfaltung.

Demütige Führung: Gegenbewegung zu narzisstischen Topmanagern

Laut Journal of Business Ethics bewerten Fachleute die persönlichen Exzesse der von Macht und Gier getriebenen Topmanager als mitursächlich für die letzte große Wirtschaftskrise. Ohne moralischen Kompass neigten diese Führungskräfte zu übertriebener Risikofreude, Selbstdarstellung und zur Ausbeutung Untergebener. Also den Fähigkeiten, die sie in Zeiten von globalem Wirtschaftswachstum und aggressiver Markterweiterung in ihre Positionen gebracht hatten.

Beispiele für Humble Leadership: Positive Folgen

  • Führungskräfteentwicklung: Junge Führungskräfte werden nicht länger dazu angeleitet, ihre Angestellten mit Druck dazu zu bringen, ihre Aufgaben zu erledigen. Vielmehr lernen sie, wie sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Augenhöhe erreichen und eine persönliche Beziehung zu jedem einzelnen aufbauen. Auf diese Weise entsteht eine unbezahlbare Verbindung, die den Informationsaustausch fördert, Stimmung und Motivation hebt und die Bindung ans Unternehmen bestärkt.
  • Teamentwicklung: Auch in Teams gibt es nicht mehr einen Leader, der Aufgaben delegiert und prüft, ob andere sie zufriedenstellend ausführen. Vielmehr entsteht eine Gruppe von Experten, die Wissen und Fähigkeiten miteinander teilen. Denn: Sie möchten gute Arbeit leisten und das Unternehmen voranbringen, weil sie sich im Job persönlich sowie professionell weiterentwickeln und entfalten können. Kollegen und Kolleginnen sind keine Konkurrenz – sie stellen eine Bereicherung dar.
  • Empathie am Arbeitsplatz: Wer persönliche Beziehungen im Unternehmen pflegt, fühlt sich eher daran gebunden als jemand, der seine Kollegen ignoriert. Durch gegenseitiges Vertrauen gehen Gleichgültigkeit, Zurückhaltung und Manipulation sowie Phänomene wie Quiet Quitting zurück. Fest steht: Wer durch ehrliches Verständnis und Interesse sowie positive Bestärkung dazu befähigt wird, sich selbst weiterzuentwickeln, bleibt im Unternehmen.

Wie gelingt die Einführung von Humble Leadership?

Der nötige Kulturwandel besteht aus mehreren Schritten, um Angestellte zu mehr Agilität und Mitgestaltung zu ermutigen:

  1. Alle einbeziehen: Geschäftsführung und HR kommunizieren der gesamten Belegschaft das Ziel, Humble Leadership einzuführen. Mitarbeiter dürfen Fragen zu dieser neuen Form des Führens stellen und erhalten den Raum zur Diskussion sowie zur Gestaltung des Führungskonzepts.
  2. Purpose festlegen: Gibt es noch keinen tieferen Sinn, nach dem das Unternehmen strebt, legen ihn die Angestellten gemeinsam fest. Ist der Purpose bereits vorhanden, besprechen alle zusammen, ob und inwiefern sie ihn aufgrund der neuen Art des Führens anpassen.
  3. Use Cases durchgehen: Anhand realer Beispiele probt die Belegschaft das neue Konzept. Wichtig ist, dass sich jeder einzelne einbringt. Auf diese Weise entsteht die neue Dynamik, die Humble Leadership ausmacht. Zudem schafft die intensive Zusammenarbeit konfliktfähige und resiliente Teams.
  4. Synergien nutzen: Sind die Stärken der einzelnen Teammitglieder durch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe bekannt, können sie dem gesamten Unternehmen nützlich sein. Durch sich erweiternde Aufgabenbereiche entwickeln sich Angestellte zudem weiter, sodass ihre Motivation steigt.

Sind diese Schritte durchlaufen, ist ein authentisches und proaktives Expertenteam entstanden. Es ist nicht nur im Stande dazu, alle vorhandenen Fähigkeiten zu nutzen, sondern auch in der Lage, Rückschläge aufzufangen.

Humble Leadership ist der Führungsstil der Stunde

Wirtschaft soll den Menschen dienen, nicht umgekehrt. Dieser Leitgedanke untermauert die aktuelle Beobachtung vom aussterbenden Belohnungs- und Bestrafungsmodell. Und: Nicht die Führungskräfte sind rar, sondern die exzellenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne kulturellen Wandel in der Mitarbeiterführung hin zu mehr Selbstbestimmung und höherer Agilität am Markt verschwinden erst die Fachkräfte aus den Unternehmen und dann die Unternehmen selbst. Der Grundstein für nachhaltig erfolgreiche und widerstandsfähige Betriebe ist ein von Vertrauen geprägtes System aus Verbindungen und Synergien. Ein System, das jeder Einzelne aktiv mitgestaltet.

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