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Empathie am Arbeitsplatz ‒ warum Gefühle ins Büro gehören

Empathie am Arbeitsplatz macht das Arbeitsleben besser ‒ und ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

20. Juli 2022 · 6 Min. Lesezeit · HRworks Redaktion

Als Empathie bezeichnet man die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Gefühle und Gedanken nachvollziehen zu können. Diese ist nicht nur in persönlichen Beziehungen essenziell, sondern zunehmend auch im Beruf gefragt. Als einer der wichtigsten Soft Skills rangiert Empathie direkt neben Fähigkeiten wie einer hohen Auffassungsgabe, Eigeninitiative und Anpassungsfähigkeit. Erfahren Sie, warum empathische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Unternehmen bereichern und inwiefern das erfolgsrelevant ist.

Ist Empathie am Arbeitsplatz wirklich wichtig?

Mitgefühl wird auch heute noch vielfach als Schwäche ausgelegt. Denn um Entscheidungen im Sinne des Unternehmens zu treffen, stand es lange Zeit eher im Wege. Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels hat jedoch längst ein Umdenken stattgefunden: Angestellte werden nicht mehr auf ihre Tätigkeiten reduziert ‒ ihre Potenziale rücken in den Vordergrund. Sie gilt es mithilfe von Empathie zu entdecken und zu fördern. Nur so wird ein Mitarbeiter langfristig zufrieden und produktiv sein.

Warum arbeitet es sich besser in einem empathisch geführten Unternehmen?

1. Angenehmes Arbeitsklima

Haben Vorgesetzte wie auch Kolleginnen und Kollegen Verständnis füreinander, erleichtert dies die Zusammenarbeit enorm. In einem empathisch aufgestellten Unternehmen sind offene Gespräche an der Tagesordnung, sodass sich jeder einzelne Angestellte wahrgenommen und wertgeschätzt fühlt. Fest steht: Wer sich in einem solchen Arbeitsumfeld bewegt, arbeitet gern und deutlich produktiver.

2. Ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe

Es geht in einem Unternehmen nicht darum, wer am meisten arbeitet oder den größten Stress hat. Sondern wie Prozesse optimiert werden können, um durch möglichst wenig Ressourcennutzung den größtmöglichen Output zu generieren. Wird empathisch miteinander kommuniziert, entstehen nicht nur Schnittstellen. Kollegen nehmen einander auch bereitwillig Arbeit ab und Missverständnisse werden im Keim erstickt.

3. Ausgleich von Stärken und Schwächen

Kennen sich die Kollegen untereinander, sind ihnen auch die Stärken und Schwächen der anderen bekannt. Mit diesem Wissen können Strukturen ausgleichend angepasst werden. Somit geht weniger Zeit verloren und es werden bessere Ergebnisse erzielt ‒ nicht zuletzt sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufriedener, weil sie sich aufeinander verlassen können.

4. Potenziale erkennen

Je mehr sich die Angestellten ihren Vorgesetzten gegenüber öffnen, desto besser gelingt die individuelle Mitarbeiterentwicklung. Eine Position kann angepasst werden, ebenso haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit, neue Tätigkeitsbereiche für sich zu entdecken ‒ eine Win-win-Situation für sie und das Unternehmen. Besonders in Krisenzeiten oder Zeiten des Umbruchs ist es hilfreich, alle Talente jedes einzelnen Angestellten zu kennen.

5. Verbundenheit schaffen

Sind sowohl die Geschäftsführung als auch Kolleginnen und Kollegen nicht nur als Ansprechpartner in schwierigen Situationen da, sondern ganz grundsätzlich bei allen Fragen und Anliegen, dann fühlen sich Mitarbeiter dem Unternehmen verbunden. Sie wissen, dass sie auf die Unterstützung der anderen vertrauen können. Durch gelebte Selbstverwirklichung empfinden sie zudem Sinnhaftigkeit in ihrem Tun, was glücklich macht und die Arbeitsmoral steigert.

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Wie gelingt Empathie im hybriden Zeitalter?

Befinden Kollegen sich nicht in einem gemeinsamen Büro, sondern arbeiten teilweise von zu Hause aus, nimmt der persönliche Kontakt ab. Besonders bei Remote Work, wenn jeder zu unterschiedlichen Zeiten am Schreibtisch sitzt, verringern sich die Berührungspunkte. Um dennoch empathisch zu bleiben, helfen folgende Maßnahmen:

  • Meetings, Calls und Chats: Vor Corona von den meisten Vorgesetzten noch ungern gesehen, sind sie heute unersetzlich: Messengerdienste. Wer den ganzen Tag auf einen leblosen Bildschirm schaut, braucht gelegentliche Ablenkung durch den Austausch mit Kollegen. Wichtig ist, dass dieser im Arbeitsalltag verankert ist ‒ wiederkehrende Termine sorgen für die notwendige Struktur.
  • Aufmerksam sein, Fragen stellen, mit Bedacht antworten: Dieser aus dem Kundenservice bekannte Umgang sollte auch unternehmensintern zur Norm werden. Um die Bedürfnisse des anderen zu verstehen, ist Nachfragen nötig ‒ auch unter Kolleginnen und Kollegen. Übrigens: Da bei der digitalen Kommunikation Gestik und Mimik schlechter wahrgenommen werden können, wird es zunehmend wichtiger, einander ausreden zu lassen.
  • Zusammenhalt schaffen durch gegenseitige Unterstützung: Um Empathie im digitalen wie realen Kontext zu erreichen, sind Kommunikation auf Augenhöhe, gleiche Redeanteile sowie die beiderseitige Unterstützung essenziell. Die Grundlage dafür schaffen Vertrauen und Offenheit. Um diese zu erreichen, ist der persönliche Kontakt wichtig ‒ dafür sind hybride Arbeitsmodelle mit gelegentlichen Geschäftsreisen und Bürozeiten ratsam.
  • Empathietraining: Wie das Wallstreet Journal berichtet, führen immer mehr Unternehmen Empathietrainings durch. Vorgesetzte und auch Mitarbeiter werden hier gezielt dazu gebracht, sich in die Situation ihrer Angestellten und Kollegen hineinzuversetzen. Nur so können sie deren Sichtweisen und Handlungen wirklich nachvollziehen.

Wie gelingt es HR Empathie in ein Unternehmen zu integrieren?

Um Angestellte langfristig an ein Unternehmen zu binden, gestalten Personaler deren Arbeitsbedingungen so positiv wie möglich. Die sogenannte Employer Experience (EX) bezeichnet die Erfahrung, die ein Mitarbeiter in seinem Unternehmen macht. Heutzutage ist sie längst nicht mehr nur die Kirsche auf der Sahne ‒ sondern gehört in jede Personalabteilung. Die Basis von EX: Empathie.

Führung neu definieren

Führungskräfte müssen dazu angeleitet werden, wie sie ihren Mitarbeitern mit professioneller Distanz und dennoch auf Augenhöhe begegnen. Vertrauen die Angestellten ihrem Chef, tragen sie Probleme an ihn heran ohne negative Konsequenzen zu befürchten. Zudem fühlen sie sich einem Unternehmen, in dem sie gut behandelt werden, verpflichtet und leisten deutlich bessere Arbeit. Obwohl laut einer Studie von Businesssolver 68 % aller Führungskräfte befürchten, bei empathischem Agieren weniger respektiert zu sein, ist sie essenzielle Grundlage.

Team schaffen

Regelmäßige Meetings, Möglichkeiten zum Austausch und Events ‒ digital wie auch real ‒ bringen die Mitarbeiter einander näher. Es entsteht ein “Wir-Gefühl” und ein Gespür dafür, die anderen einschätzen und nachvollziehen zu können. Verstehen alle, was die Kollegen leisten, schätzen sie deren Mitarbeit mehr. Und bieten bei Bedarf eher ihre Unterstützung an.

Homeoffice-Mitarbeiter als wichtige Säule integrieren

Der Trend zu ausschließlich im Homeoffice tätigen Kolleginnen und Kollegen nimmt zu. Damit diese dennoch ein Gefühl für das Unternehmen, dessen Philosophie und Mitarbeiter bekommen, sind besonders zu Beginn vermehrt Video-Calls und digitale Teammeetings notwendig. Dabei sollte offen kommuniziert und viel gefragt werden.

Empathie ist wichtige Säule für unternehmerischen Erfolg

Obwohl laut der schon erwähnten Studie von Businesssolver ganze 84 % aller Geschäftsführer glauben, dass ein empathisch geführtes Unternehmen besseren Outcome liefert, beschreibt nur ein Viertel aller befragten Angestellten ihren Betrieb als ausreichend empathisch. Dieser Fakt ist besonders im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel alarmierend.

Denn: Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung wäre es schon heute möglich, angemessen auf die Bedürfnisse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzugehen. Dazu zählen das Angebot von flexiblen Arbeitszeitmodellen ebenso wie regelmäßige Feedbackgespräche oder die gezielte Mitarbeiterentwicklung. Nur so verbessern sich Zufriedenheit sowie Produktivität nachhaltig und es entsteht eine langfristige Bindung ans Unternehmen.

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