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Unternehmenswerte erarbeiten: 5 Tipps, wie Sie dabei vorgehen

Ein Team ist am Unternehmenswerte Erarbeiten

29. März 2023 · 6 Min. Lesezeit · Ivana Baumann

Immer mehr Firmen erarbeiten Unternehmenswerte – aus gutem Grund. Denn Bewerberinnen und Bewerber suchen zunehmend nach Arbeitgebern, deren Werte sie teilen. Eine gute Atmosphäre im Job und klar definierte Unternehmensziele binden wertvolle Talente langfristig und geben ihnen eine Orientierung im Arbeitsalltag. Aber was genau sind Unternehmenswerte und wie lassen sie sich sinnvoll erarbeiten?

Was sind Unternehmenswerte?

Unternehmenswerte werden auch Core Values, Firmenwerte oder Kernwerte genannt. Sie beschreiben die Grundprinzipien, für die ein Unternehmen steht. Das betrifft beispielsweise die Tonalität im Umgang mit Mitarbeitern oder die Kommunikation des Unternehmens ‒ sowohl nach innen als auch nach außen. So lassen sich etwa grundsätzliche Werte definieren, die sich auf den zwischenmenschlichen Umgang, die Arbeitseinstellung und das Wohlbefinden der Mitarbeiter auswirken. Wichtig ist, dass die festgelegten Werte keine leeren Versprechungen bleiben. Sie müssen im Arbeitsalltag integriert und berücksichtigt werden.

Wie unterscheiden sich die Werte eines Unternehmens vom Purpose?

Der Purpose fragt nach dem Sinn und Zweck des Unternehmens: Was würde fehlen, wenn es eine bestimmte Firma nicht gäbe? Unternehmenswerte hingegen beschreiben die Leitlinien, mit denen die Angestellten diesen Sinn zu erreichen versuchen. Ob diese umgesetzt werden, lässt sich an den Gewohnheiten (Habits) erkennen. Sie zeigen – unabhängig von den zuvor definierten Kernwerten – die tatsächlichen Verhaltensweisen im Alltag.

Werte am Arbeitsplatz: Die Vorteile eines Wertekanons

Mehr als jeder zweite Teilnehmer (56 %) der Glassdoor-Studie zum Thema Firmenphilosophie und Kultur ist der Meinung, dass die Unternehmenskultur wichtiger für die Arbeitszufriedenheit sei, als das Gehalt. Das zeigt, wie hoch die Bedeutung von Unternehmenswerten und dem Cultural Fit heutzutage für Angestellte sind. 76 % der deutschen Studienteilnehmer geben zudem an, dass sie sich nicht bei einem Unternehmen bewerben würden, dessen Werte sie nicht teilen.

Ein Wertekanon gibt Mitarbeitern Orientierung in ihrem Verhalten im Unternehmen. Er schafft die Grundlage für Entscheidungen – beim Führen von Mitarbeitern und dem Einstellen neuer Kollegen genauso wie beim Priorisieren von Aufgaben.

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Unternehmenswerte erarbeiten: Core Values der Firma

Unternehmenswerte zu erarbeiten braucht Zeit und die Bereitschaft, den Betrieb genau zu analysieren. Nur so offenbaren sich alle Werte, die ihn ausmachen. Zudem sind die Werte eines Betriebes nicht endgültig. Unternehmenswerte entwickeln sich gemeinsam mit der Firma, den Mitarbeitern und dem Umfeld stetig weiter.

1. Individuelle Unternehmenswerte finden

Unternehmenswerte sind individuell und drücken das Selbstverständnis einer Firma aus. Daher ist es wichtig, berufliche Werte selbst zu erarbeiten und die anderer Unternehmen lediglich zur Inspiration zu nutzen. Unser Tipp: Einzigartigkeiten hervorheben – denn das ist genau das, was einen Betrieb ausmacht. Ist ihm beispielsweise Diversity sehr wichtig, lässt sich dieser Punkt aufnehmen, um die eigenen Werte zu entwickeln. Vermeintlich untypische Werte einzubinden, unterstreicht zudem die Einzigartigkeit eines Unternehmens und trägt zum Employer Branding bei.

2. Unternehmenswerte als Gemeinschaftsprojekt erarbeiten

Unternehmenswerte sind nur dann überzeugend, wenn die Belegschaft geschlossen hinter ihnen steht. Deshalb ist es wichtig, beim Erarbeiten der Core Values das gesamte Unternehmen miteinzubeziehen. Das lässt sich etwa durch eine Arbeitsgruppe umsetzen, die aus Vertretern der verschiedenen Bereiche besteht.

3. Firmenwerte finden: Die richtigen Fragen stellen

Mit den richtigen Fragen erarbeitet dieses Team einen Ideenkatalog für die Werte, die das Unternehmen ausmachen. Geeignete Fragen sind beispielsweise:

  • Welche Unternehmenswerte werden aktuell gelebt?
  • Nach welchen Prinzipien handeln Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
  • Worauf ist die Belegschaft im Unternehmen stolz?
  • Was ist typisch für das Unternehmen und was lässt sich daraus ableiten?

In diesem Schritt legt sich das Team noch nicht auf die Werte eines Unternehmens fest, sondern sammelt zunächst möglichst vielfältige Ideen. Die Mitarbeiterbefragung ist dabei ein wichtiges Instrument, um wertvolle Anregungen aus dem gesamten Unternehmen zu erhalten und zugleich sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Prozess miteinzubinden.

4. Unternehmenswerte richtig formulieren

Aus dem Ideenkatalog und den Antworten der Belegschaft wählen die Verantwortlichen nun etwa zehn Werte aus, da bei zu vielen Kernwerten der Überblick verloren geht. Anschließend geht es darum, die Unternehmenswerte zu formulieren – und zwar so greifbar und prägnant wie möglich. Denn: Sind sie nur schwammig umschrieben, interpretieren die Angestellten sie gegebenenfalls unterschiedlich, sodass ein Unternehmen nicht mehr über einheitliche Werte verfügt. Präzise Formulierungen zeichnen sich durch konkrete Verhaltensweisen aus, wie zum Beispiel: “Wir sind für jede Idee offen und berücksichtigen sie im Entscheidungsprozess.”

5. Firmenwerte regelmäßig überarbeiten

Sind die Werte verschriftlicht, sind sie jederzeit abrufbar. Doch damit ist der Prozess noch nicht beendet: Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen, alte gehen, das Unternehmen wächst oder wandelt sich. Das alles verändert die Unternehmenskultur und somit auch den Bezug zu den bisher etablierten Werten. Um Unternehmenswerte zu leben, ist es essenziell, diese stets an neue Gegebenheiten anzupassen.

Unternehmenswerte erarbeiten: Beispiele für Core Values

Firmenwerte sind so einzigartig wie jedes Unternehmen selbst. Trotzdem gibt es einige zentrale Werte, die sehr häufig zu finden sind:

  • Zuverlässigkeit
  • Offene Kommunikation
  • Transparenz
  • Vertrauen
  • Flexibilität
  • Nachhaltigkeit
  • Gemeinschaft
  • Zusammenhalt
  • Authentizität
  • Innovation

Core Values sind aber nicht zwingend nur einzelne Begriffe. Auch aussagekräftige Slogans oder Ähnliches sind für manche Unternehmen das richtige Format – der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Unternehmenswerte bei HRworks

Auch wir haben uns gefragt, welche Werte für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter wichtig sind. Und nun wissen wir: Wir stehen für eine Kultur des Gelingens. Was das konkret heißt, erfahren Sie im HRworks-Culture-Deck.

Firmenwerte vorleben, vermitteln und umsetzen

Sind die Werte schriftlich festgehalten ‒ zum Beispiel in einem Culture Deck ‒ und für alle Angestellten jederzeit einsehbar, lassen sie sich immer wieder ins Gedächtnis rufen. Die stetige Kommunikation von Unternehmenswerten ist wichtig, um sie nachhaltig zu etablieren und fortlaufend zu entwickeln. Wichtig ist dabei vor allem eines: Dass Führungskräfte die Werte eines Unternehmens ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch selbst vorleben. Sie haben eine entscheidende Vorbildfunktion, damit Angestellte die vereinbarten Werte verinnerlichen und im Einklang mit ihnen arbeiten. Nur durch laufende Auseinandersetzung mit der eigenen Unternehmenskultur gelingt es Firmen, ihre Kernwerte zu verinnerlichen. Dazu eignen sich unter anderem folgende Situationen:

  • Onboarding: HR erläutert den neuen Mitarbeitern die Unternehmenswerte und lebt sie ihnen im besten Fall direkt vor.
  • Meetings: Es ist sinnvoll, bestehende Werte kontinuierlich zu prüfen und nach gemeinsamer Ideenfindung anzupassen.

Die Umsetzung ist ein kontinuierlicher Prozess – schließlich ist es nahezu unmöglich, von heute auf morgen die eigenen Verhaltensweisen zu ändern.

So gelingt die langfristige Definition der Kernwerte

Bewerber und Angestellte achten zunehmend darauf, dass ihre persönlichen Werte mit den beruflichen Werten ihres Arbeitgebers übereinstimmen. Gleichzeitig dienen diese den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Orientierung für unternehmensspezifische Entscheidungen und ihr eigenes Handeln. Sind die Unternehmenswerte das Ergebnis eines gemeinsamen Findungsprozesses, spiegeln sie die Identität der Firma wider und zeigen, wofür diese steht. Das verhindert Phänomene wie das Quiet Quitting, bei dem der Bezug zwischen Angestellten und Unternehmen verloren geht. Können Führungskräfte und Mitarbeiter darüber hinaus jederzeit auf die Werte zugreifen, lassen sich diese im Arbeitsalltag leichter umsetzen.

Ivana Baumann, Head of HR and Recruiting bei HRworks
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Über Ivana Baumann: Als Head of HR & Recruiting bei HRworks ist Ivana Baumann bestens mit den Vorzügen digitaler HR-Lösungen vertraut. Dabei interessieren die studierte Juristin und langjährige Personalverantwortliche besonders Themen zur strategischen Ausrichtung und Entwicklung von Personalarbeit: von der digitalen HR-Transformation bis zum Schaffen und Leben einer Unternehmens- und Feedbackkultur.

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