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Career Cushioning – wenn Mitarbeiter ihren Plan B vorbereiten

Bei Career Cushioning bereiten Mitarbeiter ihren beruflichen Plan B vor

20. Februar 2024 · 5 Min. Lesezeit · HRworks Redaktion

Wenn Angestellte unzufrieden mit ihrer Arbeit sind, beginnen sie sich oft nach einer neuen Stelle umzusehen. Doch wann genau wird dieses Umsehen zum Career Cushioning? Was bedeutet es für Unternehmen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren beruflichen Plan B vorbereiten? Und was können HR-Verantwortliche dagegen tun?

Was ist Career Cushioning?

Per Definition bedeutet Career Cushioning, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Karriere “abfedern”. Damit sichern sie sich vorsorglich für den Fall ab, dass sie ihren Arbeitsplatz wechseln wollen oder verlieren. Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie die Möglichkeiten zur Abfederung.

Zu den Gründen zählen unter anderem mangelnde Wertschätzung des Arbeitgebers oder geringe Weiterentwicklungschancen. Um ihren Jobwechsel abzufedern, nutzen Mitarbeiter oft Umschulungen beziehungsweise persönliche Fortbildungen außerhalb ihrer Arbeitszeit. Diese dienen dazu, individuelle Fähigkeiten auszubauen und Erkenntnisse in neuen Interessengebieten zu gewinnen. So erschließen sich Arbeitnehmer Chancen für einen Nebenverdienst oder um in ein neues Berufsfeld einzusteigen.

Bedeutung von Career Cushioning: Warum sichern Angestellte ihre Karriere ab?

Aufgrund der Krisen der letzten Jahre wie zum Beispiel durch die Coronapandemie, den Ukrainekrieg, und durch gestörte Lieferketten und die gestiegene Inflation ist das Bedürfnis nach Sicherheit stark gestiegen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich Angestellte ihren Plan B zurechtlegen, um sich abzusichern. Neben besserem Verdienst und einer positiveren Employee Experience in einem neuen Unternehmen reizen sie besonders Firmen und Betriebe, die ihnen persönliche Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bieten.

Wie funktioniert die Karriereabsicherung?

Beim Career Cushioning gehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer aktuelle Arbeit wie gewohnt nach. Dabei leisten sie jedoch ähnliche wie beim Quiet Quitting in der Regel nicht mehr als nötig, weil sie ihre übrigen Ressourcen einsetzen, um ihre berufliche Perspektive abzusichern. Dazu nutzen sie verschiedene Möglichkeiten:

  1. Job-Annoncen: Angestellte suchen nach Alternativjobs in einer vergleichbaren oder höheren Position. Sie setzen sich mit den Anforderungen der Stellen auseinander, informieren sich über die betreffenden Unternehmen und sondieren für sich, ob eine dieser Optionen in Frage käme.
  2. Kontaktaufnahme: Obwohl kein konkreter Wechselwille besteht, nehmen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ungezwungen Kontakt zu attraktiven Unternehmen auf. Dafür eignen sich soziale Netzwerke wie LinkedIn und XING.
  3. Fortbildung: Auch eine Fortbildung im aktuellen Job macht Angestellte interessanter für potenzielle Arbeitgeber. Zudem gibt sie ihnen die Chance, andere Positionen im derzeitigen Betrieb zu bekleiden.
  4. Weiterbildung: Durch Weiterbildungen, die Arbeitnehmer privat absolvieren, entwickeln sie ihre individuellen Fähigkeiten weiter. Somit legen sie den Grundstein dafür, andere Branchen für sich zu erschließen.
  5. Aktuelle Qualifikationsnachweise: Um jederzeit bestens auf eine Bewerbung vorbereitet zu sein, halten Mitarbeiter ihren Lebenslauf aktuell und fordern regelmäßig Zwischenzeugnisse bei ihrem Arbeitgeber an. So haben sie alle wichtigen Informationen zur Hand, falls ein attraktives Jobangebot auftaucht.
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Welche Vorteile bringt Career Cushioning für Mitarbeiter?

Selbst wenn der aktuelle Arbeitsplatz nicht in Gefahr ist, bringt Career Cushioning Angestellten gewisse Vorteile, um ihre berufliche Zukunft langfristig abzusichern. Dazu zählen:

  • Doppelter Boden: Ein konkreter Plan B macht das Leben leichter. Dank ihm wirken sich sowohl gesellschaftliche Veränderungen als auch Umstrukturierungen im Betrieb nicht so intensiv auf Angestellte aus.
  • Persönliche Weiterentwicklung: Durch berufsfremde Fortbildungen, Weiterbildungen oder Umschulungen entwickeln Angestellte individuelle Fähigkeiten und somit ihre Persönlichkeit weiter.
  • Finanzielle Sicherheit: Wer auf der Karriereleiter schon einige Stufen hinauf geklettert ist, hat häufig einen gewissen Lebensstandard erreicht, den er nicht verlieren will. Um laufende Kosten für Wohnen, Mobilität und Co. langfristig zu decken, ist es wichtig zu wissen, welche Optionen es im Fall der Fälle gibt.
  • Weniger Sorgen: Stress im Beruf ist laut WHO eine der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts. Wer aber eine Alternative parat hat, leidet deutlich weniger unter Druck am Arbeitsplatz.
  • Kontrollierte Karriere: Gibt ein Unternehmen keine Aufstiegschancen her, haben Angestellte schnell eine Alternative zur Hand, um ihre Karriere voranzutreiben.

Was bedeutet Career Cushioning für Arbeitgeber?

Career Cushioning hat verschiedene Auswirkungen auf Unternehmen – sowohl positive als auch negative. Positiv ist, dass Angestellte durch bestehende Alternativen weniger gestresst sind und daher im Idealfall leistungsfähiger ihre Arbeit erledigen. Zudem leiden sie nicht so stark unter Konflikten mit Kolleginnen oder Vorgesetzten. Auch bringen sie ihre durch persönliche Weiterbildungen erlangten neuen Fähigkeiten in ihren Job und somit ins Unternehmen mit ein.

Negativ ist allerdings, dass Mitarbeiter mit einem attraktiven Plan B unter Umständen weniger motiviert an ihre Arbeit herangehen. Zudem kann ein Job in der Hinterhand dazu führen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Konflikte nicht klären. Auch denken viele nicht länger über ihren Aufgabenbereich hinaus mit und verlassen das Unternehmen bei geringen Unstimmigkeiten. Dies führt dann schnell zu einer höheren Fluktuationsrate, was für Arbeitgeber mit merklichen Kosten verbunden ist.

Wie wirken Unternehmen Career Cushioning entgegen?

Nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit ist ein entscheidendes Kriterium dafür, dass sich Arbeitnehmer keinen Plan B zurechtlegen. Um den Employee Life Cycle so weit auszudehnen wie möglich, ist besonders die individuelle Förderung eines jeden Mitarbeiters relevant. Die HR-Abteilung benötigt zeitliche sowie finanzielle Ressourcen, um Angestellte bestmöglich zu binden. Regelmäßige Mitarbeitergespräche, ein entspanntes Arbeitsklima, flache Hierarchien sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance unterstützen dabei. Auch ist es essenziell, dass Angestellte ihren Arbeitsplatz mitgestalten dürfen – das sogenannte Job Crafting ermöglicht es, dass jeder einzelne seine Fähigkeiten weiter ausbauen kann.

Unternehmen selbst sollten das Sicherheitsnetz für ihre Angestellten sein

Um die genannten Vorteile von Career Cushioning überflüssig zu machen, müssen Betriebe ihren Angestellten einen sicheren Arbeitsplatz mit ausreichenden Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Und während ein klarer Purpose den Mitarbeitern den nötigen Sinn ihrer Arbeit zeigt, schafft ihnen ein wirtschaftlich vorausschauend betriebenes Unternehmen die gewünschte Sicherheit im Job. Außerdem ist es essenziell, dass die Abteilung für Human Resources offenen Kontakt zu jedem einzelnen Mitarbeiter pflegt und auf dessen Bedürfnisse eingeht. So fühlen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wahrgenommen, verstanden und gefördert.

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