Wie eine systematische Stellenbewertung eine faire Vergütung unterstützt
Wie viel Verantwortung ist mit einer Stelle verbunden? Und wie lassen sich Funktionen innerhalb eines Unternehmens vergleichen? Job Grading erleichtert es, Stellen einzuordnen, Vergütungsstrukturen aufzubauen und Karrierewege zu gestalten. Im Mittelpunkt steht das Anforderungsprofil einer Position und nicht die Leistung eines Mitarbeiters. HR und Geschäftsleitung erhalten so eine Grundlage, um über Stellenwert und Vergütung zu entscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Job Grading bewertet die Anforderungen einer Funktion, nicht ihren Stelleninhaber.
- Stellen werden je nach Anforderungsniveau einer Wertigkeitsstufe zugeordnet.
- Job Grading macht Stellenanforderungen vergleichbar.
Was ist Job Grading?
Job Grading bewertet Stellen systematisch und ordnet sie in Wertigkeitsgruppen ein; eine einzelne Stufe heißt Job Grade. Dieses Stellenbewertungssystem (englisch: Job Evaluation System) vergleicht anhand festgelegter Anforderungen und nicht anhand von persönlichen Einschätzungen. Eine Mitarbeiterbeurteilung oder ein Beurteilungsgespräch ersetzt daher nie die Stellenbewertung. Für die Einstufung zählt die Verantwortung, die eine Funktion erfordert. Die Leistung der Person, die sie derzeit ausübt, ist dafür nicht entscheidend.
Wie funktioniert ein Job Grading-System?
Ein Job Grading-System dient dazu, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Anforderungen einheitlich zu bewerten. Zu den Kriterien gehören das für eine Stelle erforderliche Know-how, Entscheidungsfreiräume, Arbeitsbedingungen sowie die körperlichen oder psychischen Belastungen einer Tätigkeit. Entscheidend sind verständliche Kriterien und voneinander zu unterscheidende Bewertungsstufen.
Welche Methoden der Stellenbewertung gibt es?
Summarische Verfahren betrachten eine Stelle als Ganzes, ohne sie in Einzelfaktoren zu zerlegen, und ordnen sie einer Rangfolge oder Gruppe zu. Analytische Verfahren bewerten Anforderungsmerkmale getrennt voneinander. Jedes Merkmal erhält dabei einen Zahlenwert.
Ein Praxisbeispiel ist die Kienbaum-Methode KRIEM (Kienbaum Role Impact Evaluation Model). Sie betrachtet Rolle, Komplexität und Einfluss einer Stelle im Organisationsmodell des Unternehmens oder im Vergleich zum Markt.
Bei der Auswahl eines Verfahrens sollten Verständlichkeit, Organisationsstruktur und Zeitaufwand berücksichtigt werden.
Welche Vorteile bietet Job Grading?
Job Grading liefert eine Vergleichsgrundlage für Vergütung, Karrierewege und weitere HR-Instrumente. Das bietet Unternehmen Vorteile:
- Nachvollziehbare Gestaltung der Vergütung: Lassen sich Stellen neutral vergleichen, erleichtert das die Analyse von Gehaltsunterschieden und unterstützt Equal Pay. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie macht Job Grading wichtiger denn je. Deutschland passt derzeit das Entgelttransparenzgesetz an: Entgeltstrukturen sollen demnach auf objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien beruhen.
- Systematische Strukturierung der Karrierewege: Die Stellenarchitektur macht Entwicklungspfade sichtbar und zeigt, welche Kenntnisse oder Erfolge für eine Beförderung nötig sind.
- Stärkung der Arbeitgeberattraktivität: Wenn Vergütungsentscheidungen nachvollziehbar sind, fördert dies das Vertrauen in den Arbeitgeber und stärkt so die Employer Value Proposition.