Definition und Methoden

Job Grading

  1. Startseite
  2. HR-Lexikon
  3. Job Grading

5 Min. Lesezeit

Wie eine systematische Stellenbewertung eine faire Vergütung unterstützt

Wie viel Verantwortung ist mit einer Stelle verbunden? Und wie lassen sich Funktionen innerhalb eines Unternehmens vergleichen? Job Grading erleichtert es, Stellen einzuordnen, Vergütungsstrukturen aufzubauen und Karrierewege zu gestalten. Im Mittelpunkt steht das Anforderungsprofil einer Position und nicht die Leistung eines Mitarbeiters. HR und Geschäftsleitung erhalten so eine Grundlage, um über Stellenwert und Vergütung zu entscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Job Grading bewertet die Anforderungen einer Funktion, nicht ihren Stelleninhaber.
  • Stellen werden je nach Anforderungsniveau einer Wertigkeitsstufe zugeordnet.
  • Job Grading macht Stellenanforderungen vergleichbar.
Wie funktioniert Job Grading? Definition, Methoden und ein Praxisbeispiel zeigen, wie Unternehmen Stellen bewerten und Gehaltsbänder gestalten.

Was ist Job Grading?

Job Grading bewertet Stellen systematisch und ordnet sie in Wertigkeitsgruppen ein; eine einzelne Stufe heißt Job Grade. Dieses Stellenbewertungssystem (englisch: Job Evaluation System) vergleicht anhand festgelegter Anforderungen und nicht anhand von persönlichen Einschätzungen. Eine Mitarbeiterbeurteilung oder ein Beurteilungsgespräch ersetzt daher nie die Stellenbewertung. Für die Einstufung zählt die Verantwortung, die eine Funktion erfordert. Die Leistung der Person, die sie derzeit ausübt, ist dafür nicht entscheidend.

Wie funktioniert ein Job Grading-System?

Ein Job Grading-System dient dazu, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Anforderungen einheitlich zu bewerten. Zu den Kriterien gehören das für eine Stelle erforderliche Know-how, Entscheidungsfreiräume, Arbeitsbedingungen sowie die körperlichen oder psychischen Belastungen einer Tätigkeit. Entscheidend sind verständliche Kriterien und voneinander zu unterscheidende Bewertungsstufen.

Welche Methoden der Stellenbewertung gibt es?

Summarische Verfahren betrachten eine Stelle als Ganzes, ohne sie in Einzelfaktoren zu zerlegen, und ordnen sie einer Rangfolge oder Gruppe zu. Analytische Verfahren bewerten Anforderungsmerkmale getrennt voneinander. Jedes Merkmal erhält dabei einen Zahlenwert.

Ein Praxisbeispiel ist die Kienbaum-Methode KRIEM (Kienbaum Role Impact Evaluation Model). Sie betrachtet Rolle, Komplexität und Einfluss einer Stelle im Organisationsmodell des Unternehmens oder im Vergleich zum Markt.

Bei der Auswahl eines Verfahrens sollten Verständlichkeit, Organisationsstruktur und Zeitaufwand berücksichtigt werden.

Welche Vorteile bietet Job Grading?

Job Grading liefert eine Vergleichsgrundlage für Vergütung, Karrierewege und weitere HR-Instrumente. Das bietet Unternehmen Vorteile:

  • Nachvollziehbare Gestaltung der Vergütung: Lassen sich Stellen neutral vergleichen, erleichtert das die Analyse von Gehaltsunterschieden und unterstützt Equal Pay. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie macht Job Grading wichtiger denn je. Deutschland passt derzeit das Entgelttransparenzgesetz an: Entgeltstrukturen sollen demnach auf objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien beruhen.
  • Systematische Strukturierung der Karrierewege: Die Stellenarchitektur macht Entwicklungspfade sichtbar und zeigt, welche Kenntnisse oder Erfolge für eine Beförderung nötig sind.
  • Stärkung der Arbeitgeberattraktivität: Wenn Vergütungsentscheidungen nachvollziehbar sind, fördert dies das Vertrauen in den Arbeitgeber und stärkt so die Employer Value Proposition.
Newsletter Icon dunkelblau

Zum HR WORKS Newsletter anmelden

Mit unserem Newsletter bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Erhalten Sie regelmäßige Updates zu neuen Produkt-Funktionen, HR-Events oder wichtigen Gesetzesänderungen. Alle wichtigen Infos direkt in Ihrem Posteingang.

Wie führen Unternehmen Job Grading ein?

Bevor Unternehmen Job Grading einführen, klären sie Ziele, Zuständigkeiten und den Anwendungsbereich. HR, Führungskräfte und Arbeitnehmervertretungen sollten frühzeitig beteiligt werden.

Anschließend müssen für jede Stelle die Aufgaben und Anforderungen recherchiert werden. Diese fließen in eine Stellenbeschreibung ein, die die Basis für das Job Grading bildet. Wichtig: Immer nur die Funktion beschreiben und nicht das Profil einer Idealbesetzung.

Nach der Bewertung wird über Abteilungsgrenzen hinweg verglichen. Hierbei prüfen die Beteiligten, ob vergleichbare Anforderungen überall ähnlich eingestuft wurden und gegebenenfalls vorhandene Unterschiede sachlich begründet sind. Strittige Einstufungen sollten geprüft und veränderte Rollen überarbeitet werden.

Tipp: Digitale Grader Tools dokumentieren Kriterien, Bewertungen und Begründungen nachvollziehbar.

Job Grades und Gehalt: Praxis-Beispiel

Wie hängen Gehalt und Stellenwert beim Job Grading zusammen? Unternehmen nutzen die Bewertung als Grundlage für Gehaltsstrukturen und ergänzen sie um Marktdaten oder tarifliche Vorgaben.

Das folgende Beispiel zeigt anhand verschiedener Bewertungsstufen, wie die analytische Stellenbewertung in der Praxis aussehen kann:

Job Grade Punktwert Funktion Anforderungsprofil Gehaltsband (brutto/Jahr)
1 100-150 Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation mit unterstützenden Aufgaben Pflegt das Intranet und veröffentlicht freigegebene Beiträge nach festen Vorgaben; hat nur geringen eigenen Entscheidungsspielraum. ca. 40.000–50.000 Euro
3 201-300 Assistenz der Geschäftsführung Koordiniert Termine, Reisen und Besprechungen der Geschäftsführung eigenständig; verfügt über organisatorisches Fachwissen und Diskretion. ca. 55.000–65.000 Euro
5 401-500 IT-Administrator mit Verantwortung für mehrere Standorte Plant und betreut die IT-Systeme für mehrere Werke; führt komplexe Fehleranalysen durch und hat technische Gestaltungsfreiheit sowie Verantwortung für IT-Sicherheit. ca. 70.000–85.000 Euro
7 601-750 Entwicklungsingenieur mit technischer Gesamtverantwortung Verantwortet die Entwicklung einer neuen Antriebsplattform; verfügt über hochspezialisiertes Fachwissen und fällt weitreichende technische Entscheidungen. ca. 90.000–120.000 Euro

Statt jedem Grade einen festen Eurobetrag zuzuordnen, wird anhand eines Gehaltsbands ein Rahmen für Lohn und Gehalt vorgegeben. Dabei ist es wichtig, den Stellenwert, das vereinbarte Bruttogehalt und eine mögliche Bonuszahlung zu unterscheiden. Persönliche Zielvereinbarungen im Rahmen des Performance Management gehören ebenso wenig in die Bewertung der Stellenanforderungen.

Wo liegen die Grenzen von Job Grading?

Uneindeutige Stellenprofile, zu hohe Anforderungen und starre Rollenbilder erschweren das Job Grading. Deshalb sollten Unternehmen ihr Bewertungssystem regelmäßig überprüfen und Transparenz sowie Beteiligung auch im Zusammenhang mit Ansätzen wie New Pay diskutieren.

KI unterstützt bei der Auswertung von Stellenprofilen, aber die Überprüfung und Kommunikation der Ergebnisse müssen Menschen verantworten.

FAQ zu Job Grading

Weitere interessante Artikel

Die EU-Entgelt­transparenz­richtlinie in der Praxis. So bereiten sich KMU jetzt vor.

Whitepaper zum Download

Die EU-Entgelt­transparenz­richtlinie in der Praxis

Erfahren Sie, welche Punkte rechtlich relevant sind und wie Sie die Richtlinie Schritt für Schritt in Ihrem Unternehmen umsetzen.