Fluktuation stoppen: Wieso HR jetzt mehr Einfluss braucht. Zum Leadership-Monitor 2025

Inhalte und Regelungen

Manteltarifvertrag

  1. Startseite
  2. HR-Lexikon
  3. Manteltarifvertrag

5 Min. Lesezeit

Was ist ein Manteltarifvertrag?

Ein Manteltarifvertrag ist einfach erklärt ein Tarifvertrag, der die grundlegenden, übergeordneten Arbeitsbedingungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einer bestimmten Branche oder eines Unternehmens regelt. Für Human Resources Mitarbeiter ist die Kenntnis von Manteltarifverträgen wichtig, damit sie die Arbeitsbedingungen gesetzeskonform und fair für alle Arbeitnehmer gestalten können.

Grundsätzlich legt ein Manteltarifvertrag die Rahmenbedingungen fest, während ein gedruckter oder digitaler Arbeitsvertrag die konkreten Vereinbarungen enthält.

Ein Manteltarifvertrag ist ein Tarifvertrag, der die grundlegenden, übergeordneten Arbeitsbedingungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einer bestimmten Branche oder eines Unternehmens regelt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Tarifvertrag und einem Manteltarifvertrag?

Der Unterschied zwischen einem Tarifvertrag und einem Manteltarifvertrag liegt im Inhalt und Zweck der jeweiligen Regelungen: Ein Tarifvertrag regelt vor allem Löhne und Gehälter sowie Ausbildungsvergütungen. Er gilt meist kurzfristig zwischen 12 und 24 Monaten. Doch was wird in einem Manteltarifvertrag nach Definition geregelt? Ein Manteltarifvertrag legt die allgemeinen Arbeitsbedingungen fest.

Schränkt ein Manteltarifvertrag das Direktionsrecht ein?

Das Direktionsrecht, auch Weisungsrecht genannt, bezeichnet die Befugnis des Arbeitgebers, die Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter innerhalb bestimmter Grenzen einseitig zu bestimmen. Diese Grenzen werden durch Arbeitsvertrag, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarungen und gesetzliche Regelungen gesetzt.

Ein Manteltarifvertrag kann das Direktionsrecht des Arbeitgebers einschränken und erweitern. Dies gilt vor allem in Bezug auf die Arbeitszeit, den Arbeitsort und die Arbeitsinhalte.

Was sind typische Inhalte eines Manteltarifvertrags?

Manteltarifverträge enthalten häufig verschiedene Elemente:

Arbeitszeitregelungen

Viele Manteltarifverträge beinhalten Regelungen zum Thema Kernarbeitszeit, Wochenarbeitszeit oder Schichtarbeit der Mitarbeiter im Unternehmen. Im Zusammenhang mit der Arbeitszeiterfassung, die seit einem BAG-Urteil aus dem Jahr 2022 für Unternehmen verpflichtend ist, konkretisiert der Manteltarifvertrag, wie der jeweilige Betrieb oder die jeweilige Branche die Arbeitszeit erfasst und dokumentiert.

Urlaubsansprüche

In der Praxis ist der Urlaubsanspruch im Manteltarifvertrag oft detaillierter geregelt als im Gesetz. Er darf den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Urlaubstagen bei einer 5-Tage-Woche nicht unterschreiten. Häufig variiert der Urlaubsanspruch nach diversen Kriterien wie der Betriebszugehörigkeit. Tatsächlich sehen viele Manteltarifverträge einen höheren Urlaubsanspruch als den gesetzlichen Mindesturlaub vor. Im öffentlichen Dienst liegt dieser etwa bei 30 Tagen im Jahr.

Kündigungsfristen

Auch Kündigungsfristen sind oftmals Bestandteil eines Manteltarifvertrags. Werden diese nicht explizit genannt, gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen.

Zuschläge

Grundsätzlich sind in einem Manteltarifvertrag häufig auch Zuschläge für Nachtarbeit, Überstunden und Sonntagsarbeit geregelt. Details zu Löhnen und Gehältern finden sich hingegen nicht im Manteltarifvertrag, sondern im Lohn- und Gehaltstarifvertrag.

Eingruppierungssysteme

In Manteltarifverträgen unterscheidet man oftmals verschiedene Entgeltgruppen und Lohngruppen voneinander. Diese Gruppen basieren auf Qualifikation, Berufserfahrung und der Art der ausgeübten Tätigkeit. Das Ziel ist es, eine gerechte Vergütung basierend auf den Anforderungen der Stelle zu gewährleisten.

Arbeitsbedingungen

Auch Arbeitsbedingungen, die sich häufig in der Betriebsvereinbarung wiederfinden, können in einem Manteltarifvertrag geregelt sein. Dazu zählen beispielsweise Pausenregelungen und Richtlinien zur Arbeitskleidung.

Vergütung von besonderen Leistungen

Anders als grundsätzliche Löhne und Gehälter enthalten einige Manteltarifverträge Regelungen zur Vergütung besonderer Leistungen. Dazu gehören zum Beispiel Jubiläumszahlungen.

So viele Manteltarifverträge gibt es in Deutschland

Laut dem Tarifregister des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales waren zum 31. Dezember 2024 insgesamt 88.757 gültige Tarifverträge registriert – davon entfielen 7.685 auf Manteltarifverträge. Nach Angaben des BMAS wurden 2024 425 neue Manteltarifverträge in Deutschland abgeschlossen und in das Tarifregister eingetragen. Dazu zählten 345 Firmentarifverträge und 80 Verbandstarifverträge.

Newsletter Icon dunkelblau

Zum HR WORKS Newsletter anmelden

Mit unserem Newsletter bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Erhalten Sie regelmäßige Updates zu neuen Produkt-Funktionen, HR-Events oder wichtigen Gesetzesänderungen. Alle wichtigen Infos direkt in Ihrem Posteingang.

Für welche Branchen gilt ein Manteltarifvertrag?

Manteltarifverträge gelten in vielen Arbeitszweigen, darunter beispielsweise in folgenden Branchen:

  • Öffentlicher Dienst
  • Metall- und Elektroindustrie
  • Bauhauptgewerbe
  • Chemische Industrie
  • Einzelhandel
  • Pflege- und Gesundheitswesen
  • Hotel- und Gaststättengewerbe (HoGa)
  • Verkehrs- und Logistikbranche
  • Druck- und Medienindustrie
  • Textil- und Bekleidungsindustrie

Beispiel: Arbeitszeitregelung im Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie

Ein praktisches Beispiel ist die Festlegung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit im Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie. Sie beträgt 35 Stunden, es besteht aber die Möglichkeit, sie im Rahmen von betrieblichen Vereinbarungen auf bis zu 40 Stunden zu verlängern. Voraussetzung für eine solche Verlängerung ist ein entsprechender Zeitausgleich, etwa durch Gleitzeit oder Arbeitszeitkonten.

Manteltarifverträge: Das ist der rechtliche Rahmen

In Bezug auf Manteltarifverträge gibt es einige rechtliche Punkte zu beachten. Viele Industrieverbände sind regional organisiert. Das heißt, dass es unterschiedliche Manteltarifverträge für unterschiedliche Regionen gibt. Wenn ein Manteltarifvertrag vorhanden ist, umfasst er Regelungen für alle Mitarbeiterverträge – bis hin zum Werkstudentenvertrag.

Wo kann man Manteltarifverträge einsehen?

Das Statistische Bundesamt bietet auf seiner Webseite eine Tarifdatenbank. Dort haben Interessierte die Möglichkeit, kostenfrei Informationen über die Tarifverdienste in einzelnen Branchen und Regionen sowie über wichtige tarifliche Regelungen online einzusehen.

Unter diesen Voraussetzungen ist der Vertrag bindend

Ein Manteltarifvertrag ist für eine bestimmte Branche oder Region bindend, wenn in einer Branche Tarifbindung besteht oder das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ihn für allgemeinverbindlich erklärt. Ohne Tarifbindung gilt ein Manteltarifvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur, wenn er explizit im Arbeitsvertrag erwähnt wird.

Manteltarifvertrag: Kündigungsfrist variiert

In der Praxis hängen die Kündigungsfristen beim Manteltarifvertrag davon ab, was die Tarifparteien – wie etwa die Gewerkschaft und der Arbeitgeberverband – im jeweiligen Tarifvertrag vereinbaren. In der Regel gelten sie, ähnlich wie ein unbefristeter Arbeitsvertrag, ohne zeitliche Begrenzung.

Die genaue Kündigungsfrist steht also im Manteltarifvertrag selbst. Es gibt keine einheitliche gesetzliche Regelung für Kündigungsfristen von Manteltarifverträgen. Üblich sind Fristen von 3 bis 6 Monaten, zumeist zum Quartals- oder Jahresende.

Regelt ein Manteltarifvertrag auch vermögenswirksame Leistungen?

Ob ein Manteltarifvertrag vermögenswirksame Leistungen wie zum Beispiel die betriebliche Altersvorsorge regelt, hängt vom jeweiligen Manteltarifvertrag und der Branche ab. In vielen Branchen sind vermögenswirksame Leistungen in einem separaten Tarifvertrag oder im Entgelttarifvertrag geregelt.

Im öffentlichen Dienst werden vermögenswirksame Leistungen nicht im Manteltarifvertrag, sondern in einem eigenen Tarifvertragsteil geregelt. Beschäftigte haben demnach Anspruch auf 6,65 Euro monatlich als vermögenswirksame Leistung.

Weitere interessante Artikel

Disclaimer


Die Inhalte dieses Beitrags sind sorgfältig recherchiert, stellen jedoch keine Rechtsberatung dar. Bitte wenden Sie sich bei konkreten rechtlichen Fragen an einen spezialisierten Fachanwalt.

HR-Software jetzt kennenlernen

Ihre gesamte HR in einer Software

HR WORKS vereint Funktionen zur Personalverwaltung, Zeiterfassung, Payroll, Personalentwicklung sowie zur Reisekostenabrechnung in einer HR-Software. Lassen Sie sich daher in einem persönlichen Gespräch beraten, wie auch Sie Ihre gesamte HR digitalisieren.