Definition und Herausforderungen

Deskless Workforce

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7 Min. Lesezeit

Arbeitswelt jenseits des Büros: Was die Deskless Workforce bewegt

Was haben Altenpfleger, Gabelstaplerfahrer und Servicekräfte gemeinsam? Sie gehören zur Deskless Workforce und damit zu jenen weltweit rund 80 Prozent der Werktätigen, die an keinem Schreibtisch arbeiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zur Deskless Workforce gehören Mitarbeitende, die abseits des Schreibtischs arbeiten, etwa in Produktion, Logistik, Pflege, Handel oder Außendienst.
  • Dank digitaler Tools wie Mitarbeiter-Apps sowie des direkten Austauschs mit Führungskräften und Kollegen erhalten Deskless Worker wichtige Informationen.
  • Mehr Mitbestimmung bei Arbeitszeiten, faire Arbeitsbedingungen und Wertschätzung fördern unter der Deskless Workforce die Mitarbeiterbindung und eine positive Employee Experience.
Was bedeutet die Deskless Workforce für HR? Definition, Herausforderungen und Lösungen im Überblick.

Was ist eine Deskless Workforce?

Zur Deskless Workforce gehören die sogenannten DesklessWorker, also Mitarbeitende, die keinen Büroarbeitsplatz haben. Sie arbeiten dort, wo Produkte hergestellt, Menschen versorgt, Waren bewegt oder Dienstleistungen erbracht werden: in Werkstätten, im Einzelhandel, in der Pflege, Gastronomie oder im Außendienst.

Deskless Worker bedeutet wörtlich übersetzt Arbeitnehmer ohne eigenen Schreibtisch. Begriffe wie Frontline Workforce oder Blue-Collar-Mitarbeiter überschneiden sich mit Deskless Workforce, bedeuten aber nicht vollständig das gleiche. Entscheidend ist bei der Deskless Workforce vor allem das Arbeitsumfeld: Die Tätigkeit findet direkt am Einsatzort statt und lässt sich meist weder im Homeoffice noch unabhängig von festen Betriebszeiten erledigen.

Gemeinsam ist diesen Mitarbeitenden, dass sie sich in HR-Strategien oft nicht wiederfinden. Das ist ein erhebliches Versäumnis, denn diese Berufsgruppe macht weltweit rund 80 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus. Eine Erhebung der INFORM in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen zeigt, wie bedeutend das Thema ist: Für 90 Prozent der Deskless Worker ist Wertschätzung fast so wichtig wie die Bezahlung. Gleichzeitig bestätigt der „Future of Jobs Report 2025“ des World Economic Forum, dass gerade in diesem Segment bis 2030 ein starkes Beschäftigungswachstum erwartet wird, insbesondere bei Berufen im Baugewerbe und in der Landwirtschaft sowie bei Fahr- und Lieferdiensten.

Die Deskless Workforce wird gerade für kleine und mittlere Unternehmen immer wichtiger. Laut der Studie „KMU unter Druck: Die Fachkräftesituation in den Bundesländern“ des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung entfielen zwischen Juli 2024 und Juni 2025 bundesweit 71,7 Prozent der rechnerisch nicht besetzbaren Stellen auf KMU. Besonders häufig fehlen beruflich qualifizierte Fachkräfte in Produktion und Fertigung, im Handwerk sowie in Gesundheits- und Sozialberufen. Viele dieser Berufe sind Teil der Deskless Workforce. KMU geraten durch diese Situation doppelt unter Druck: Sie müssen operative Mitarbeiter langfristig binden und zugleich als Arbeitgeber für neue Fachkräfte sichtbar werden.

Deskless Workforce und HR: Die Herausforderungen

Dass sich die Arbeitsrealität der Deskless Workforce oft von jener Büroangestellter unterscheidet, hat sich besonders deutlich während der Corona-Pandemie gezeigt. Vom Büroschreibtisch ins Homeoffice zu wechseln, war für die Deskless Workforce nicht möglich. Ihre Arbeit ist ortsgebunden, schichtbasiert und lässt wenig Spielraum bei den Arbeitszeiten. Personalengpässe, kurzfristige Dienstplanänderungen und Überstunden erhöhen den Druck zusätzlich. Während Beschäftigte im Büro oft flexible Arbeitszeiten haben, hängt die Work-Life-Balance der Deskless Workforce vor allem von planbaren Arbeitszeiten und Einfluss auf den Dienstplan ab.

Auch die gesundheitlichen Belastungen sind andere: Körperlich oft fordernde Arbeit, langes Stehen, wechselnde Schichten und Nachtarbeit prägen den Alltag der Deskless Workforce. Als Folge davon kann es zu Schlafproblemen und Erschöpfung kommen. Angebote für Gesundheit und Wohlbefinden sollten deshalb die tatsächlichen Arbeitsbedingungen berücksichtigen: etwa durch ergonomische Ausstattung am Arbeitsort oder faire Pausenregelungen.

Eine weitere Herausforderung für das Deskless Workforce-Management liegt in der Kommunikationslücke. Informationen erreichen Bürobeschäftigte über E-Mail, Intranet oder Kollaborationstools. Deskless Worker verfügen während der Arbeit jedoch häufig über keinen PC-Zugang, haben oft nicht einmal eine geschäftliche E-Mail-Adresse. Alternative Kommunikationswege wie Aushänge oder Infoterminals sind daher für die interne Kommunikation und die Mitarbeiterbeteiligung wichtig.

Bleiben Deskless Worker bei Zusatzleistungen, Weiterbildung und Mitgestaltung hinter Bürobeschäftigten zurück, kann der Eindruck einer Zwei-Klassen-Arbeitswelt entstehen. Was den Deskless Workern wichtig ist, zeigt die bereits erwähnte Erhebung von INFORM und der RWTH Aachen: Als Antwort auf eine Frage berichten 39 Prozent der Befragten von Kündigungsgedanken innerhalb der vergangenen 12 Monate. Als Gründe werden schlechte Bezahlung, mangelnde Wertschätzung und stressige Arbeitsbedingen genannt.

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Warum ist die Deskless Workforce für HR wichtig?

Obwohl die Deskless Worker in vielen Unternehmen einen großen Anteil an der Belegschaft haben, werden ihre Bedürfnisse in der HR-Arbeit oft nicht entsprechend berücksichtigt. Viele klassische HR-Prozesse sind vor allem auf Büroangestellte zugeschnitten: Informationen werden ihnen per E-Mail zugeschickt, Verträge und Beurteilungen liegen in digitalen Personalakten, Anträge werden über Self-Service-Portale eingereicht, für die man einen regelmäßigen PC-Zugang braucht. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Produktion, Logistik, Pflege oder Service passen diese Zugangswege oft nicht in den Arbeitsalltag.

Durch den Fachkräftemangel, durch Fluktuation und unbesetzte Stellen wird die bedarfsgerechte Personalarbeit bei der Deskless Workforce immer wichtiger. Denn wenn hier qualifizierte Mitarbeiter fehlen, geraten Arbeitsabläufe und Servicequalität ins Wanken. Faire Arbeitsbedingungen, planbare Arbeitszeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und eine zielgruppengerechte Ansprache erhöhen die Attraktivität operativer Stellen und fördern die Mitarbeiterbindung.

Die Lebenswirklichkeit der Deskless Workforce sollte auch der Bewerbungsprozess berücksichtigen, denn für sie sind mobile und unkomplizierte Wege bei der Jobsuche wichtig. Mobile Recruiting erleichtert den Zugang zu Zielgruppen, die Stellenangebote häufig unterwegs per Smartphone suchen.

New Work und die Deskless Workforce

In den 70er Jahren prägte Sozialphilosoph Frithjof Bergmann das Konzept New Work als Idee vom selbstbestimmten Arbeiten, das durch Digitalisierung und demographischen Wandel in den vergangenen Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat.

Für die Deskless Workforce bedeutet New Work mehr als Homeoffice oder Hybrides Arbeiten. Laut der INFORM-Erhebung wünschen sich 41 Prozent der Befragten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Rund 2 Drittel der Beschäftigten wünschen sich mehr Einfluss auf die Schichtplanung. Im Mittelpunkt stehen flexible Arbeitszeitmodelle wie Wunschdienste, Schichttausch oder verlässliche Vorlaufzeiten bei der Dienstplanung, aber auch faire Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Auch Weiterbildung spielt eine zentrale Rolle. Lernangebote sollten während der Arbeitszeit, mobil, mehrsprachig und an gut erreichbaren Lernorten verfügbar sein.

Wie Unternehmen Deskless Worker einbinden

Digitale Lösungen verbessern den Arbeitsalltag der Deskless Workforce nur dann, wenn sie konkrete Hürden abbauen: fehlende Informationen, komplizierte HR-Prozesse oder geringe Einflussmöglichkeiten auf Dienstpläne. HR hat verschiedene Möglichkeiten, die Deskless Workforce einzubinden:

  • Mobile Kommunikation: Mitarbeiter-Apps, digitale schwarze Bretter, QR-Codes und Push-Nachrichten informieren auch ohne festen PC-Arbeitsplatz. Die interne Kommunikation erreicht so Beschäftigte in Produktion, Logistik oder Pflege zeitnah und zielgerichtet.
  • Employee Self Service: Über einen Employee Self Service beantragen Mitarbeiter Urlaub, melden Abwesenheiten, prüfen Arbeitszeiten oder nutzen ihre digitale Personalakte, um Dokumente abzurufen. Das verringert Rückfragen und stärkt die Eigenständigkeit.
  • Digitale Personaleinsatzplanung: Mit Wunschschichten, transparenten Dienstplänen und der Möglichkeit, Schichten zu tauschen, bekommen Beschäftigte mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeit.
  • Bedarfsgerechte Weiterbildung: Mobile Lernangebote, fest eingeplante Lernzeiten und gut erreichbare Schulungsräume erleichtern die Weiterbildung. Verständliche, mobil optimierte und bei Bedarf mehrsprachige Inhalte verhindern, dass die Qualifizierung an Technik oder Sprachbarrieren scheitert.
  • Direkter Austausch und Beteiligung: Führungskräfte vor Ort, Teamrunden, Befragungen und niedrigschwellige Feedbackkanäle ergänzen digitale Lösungen (z.B. hybride Meetings). Sie machen Bedürfnisse sichtbar und fördern eine Kultur der Wertschätzung.

FAQ zur Deskless Workforce

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