Definition, Herausforderungen und Vorteile

Shared Leadership

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8 Min. Lesezeit

Geteilte Freud‘, geteiltes Leid: Ein neuer Weg der Führung

In einer zunehmend dynamischen Arbeitswelt stoßen klassische Führungsmodelle an ihre Grenzen. Mitarbeitende legen heute mehr Wert auf Mitgestaltung, Sinn und Eigenverantwortung und reagieren sensibel auf autoritäre Strukturen oder fehlende Teilhabe. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Unternehmen: Wissen muss effizient genutzt, Entscheidungen müssen schneller getroffen und Talente langfristig gebunden werden. Diese Herausforderungen haben durch Globalisierung, Digitalisierung, neue technologische Möglichkeiten und den steigenden Innovationsdruck deutlich an Intensität gewonnen.

Shared Leadership bietet einen strukturellen und kulturellen Rahmen, um diesen Entwicklungen zu begegnen. Das Modell setzt ganz unabhängig von Hierarchien auf verteilte Verantwortung, dynamische Rollenverteilung und die Nutzung individueller Expertise.

Der Begriff Shared Leadership (deutsch: geteilte Führung) beschreibt ein Modell, bei dem mehrere Personen sich die Leitung teilen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Shared Leadership beschreibt ein Führungsmodell, bei dem Verantwortung und Entscheidungskompetenz bewusst auf mehrere Personen verteilt werden.
  • Es fördert Agilität, Motivation und Problemlösungskompetenz in dynamischen, komplexen Arbeitsumfeldern.
  • Voraussetzung ist eine ausgeprägte Kommunikations- und Vertrauenskultur, ergänzt durch klare Rollen und Regeln.
  • Neben Vorteilen wie höherer Flexibilität bringt das Modell auch Herausforderungen mit sich, etwa durch gesteigerten Koordinationsaufwand oder die Notwendigkeit, Rollen dynamisch zu definieren.

Shared Leadership: Definition und Herkunft

Der Begriff Shared Leadership (deutsch: geteilte Führung) beschreibt ein Modell, bei dem mehrere Personen sich die Leitung teilen. Im Gegensatz zur klassischen Steuerung durch eine einzelne Führungskraft basiert dieses Konzept auf geteilten Entscheidungsprozessen und einer dynamischen Rollenverteilung. Damit steht es für eine Abkehr vom hierarchischen Denken hin zu mehr Kooperation, Transparenz und Verantwortungsbewusstsein im Team. Diese Form der Leitung gehört zu den zentralen Konzepten moderner Unternehmensführung und ist eng verbunden mit den Prinzipien des New Leadership, das auf flache Hierarchien und mehr Eigenverantwortung setzt.

Seine Wurzeln hat dieser Führungsansatz übrigens im alten Rom: Mehr als 400 Jahre lang war es dort üblich, in allen Verwaltungsebenen bis hoch zum Konsul gemeinsam mit einem Partner die Geschäfte zu führen. In der Forschungsliteratur ist das Konzept hingegen noch relativ jung: Es wird erst seit gut einem Vierteljahrhundert systematisch untersucht. Wichtige Impulse stammen von Forscherinnen wie Prof. Dr. Heike Bruch (Universität St. Gallen), die betonen, dass geteilte Führung nur in einem passenden organisationalen Umfeld funktioniert.Unterschied zu klassischer Führung

Im traditionellen Führungsmodell liegt die Hauptverantwortung bei einer einzelnen Führungskraft, die Ziele formuliert, Aufgaben verteilt und den Erfolg bewertet. Die Mitarbeitenden übernehmen dabei zwar wichtige operative Rollen, aber zentrale Entscheidungen werden in der Regel auf Leitungsebene getroffen.

Das macht Shared Leadership anders

Dieses hierarchische Prinzip schafft klare Zuständigkeiten und Entscheidungswege. Gleichzeitig birgt es auch Risiken: Die Führungskraft kann bei wachsendem Umfang der Aufgaben oder komplexen Themen durch Überlastung oder fehlende fachliche Tiefe in Spezialfragen schnell an Grenzen stoßen. Auf Seiten der Mitarbeitenden kann eine geringe Einbindung in Entscheidungsprozesse zudem die Eigenverantwortung und Teamautonomie einschränken.

Shared Leadership verändert die Logik klassischer Personalführung grundlegend: Statt Führung auf eine Position zu konzentrieren, wird sie als gemeinsames Gestaltungsprinzip verstanden. Rollen und Verantwortlichkeiten verteilen sich je nach Situation, Kompetenz und Teamstruktur flexibel.

Statt einer zentralen Instanz entsteht ein flexibles System, das auf Teilen von Verantwortung, Vertrauen und gegenseitige Ergänzung setzt. Mitarbeiter übernehmen je nach Expertise und Situation temporär Führungsaufgaben, während andere sich stärker operativen Tätigkeiten widmen. Dadurch wird Führung zur Teamleistung, die sich kontinuierlich anpasst.

Warum sich Shared Leadership lohnt

Das Modell der geteilten Führungsverantwortung bringt sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeitende viele Vorteile. Vor allem in dynamischen, projektbasierten Strukturen zeigt sich das Potenzial von Shared Leadership in gesteigerter Leistungsfähigkeit und nachhaltiger Mitarbeiterbindung.

So steigert Shared Leadership Motivation und Engagement

  • Stärkere Identifikation mit Entscheidungen: Die Beteiligung an Führungsaufgaben wirkt wie ein gezieltes Job Enrichment und sorgt für ein Gefühl von Wirksamkeit
  • Größeres Verantwortungsbewusstsein, da die Leitung im Team geteilt wird
  • Wertschätzung von Kompetenzen, unabhängig von Hierarchie
  • Erweiterte Führungskompetenzen: Mehr Mitarbeitende können Verantwortung übernehmen und Leadership‑Skills entwickeln – auch dort, wo nur begrenzt formale Führungspositionen existieren

Agilität und Flexibilität fördern

  • Durch flexible Rollenverteilung kann das Team schnell auf neue Anforderungen reagieren, indem z.B. die Verantwortung je nach Situation und Fachwissen angepasst wird
  • In Unternehmen, die agile Führung oder agiles Arbeiten einsetzen, bewährt sich Shared Leadership besonders gut als ergänzendes Modell für dynamische Entscheidungsprozesse
  • Fokus auf Expertise statt auf Position: Fachwissen entscheidet über Führungsanteil
  • Dezentrale Steuerung reduziert Verzögerungen bei Entscheidungen

Komplexe Probleme besser lösen

  • Vielfalt an Perspektiven erhöht die Qualität von Entscheidungen
  • Bündelung von Kompetenzen durch kollaborative Zusammenarbeit
  • Stärkere Teamkohäsion, da Führung als gemeinsamer Prozess erlebt wird und eine kontinuierliche Teamentwicklung unterstützt
  • Wissen aus mehreren Quellen nutzen, statt Führungs-Know-how auf eine einzelne Person zu beschränken
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Herausforderungen in der Praxis

Trotz zahlreicher Vorteile bringt Shared Leadership auch konkrete Herausforderungen mit sich, und zwar besonders in Betrieben, die bisher stark hierarchisch geprägt sind. Damit das Modell funktioniert, braucht es klare Strukturen, soziale Kompetenzen und ein gemeinsames Führungsverständnis.

Ein zentrales Hindernis ist der erhöhte Koordinationsaufwand: Wenn mehrere Personen Führungsaufgaben übernehmen, steigt der Abstimmungs- und Zeitbedarf deutlich. Zuständigkeiten müssen regelmäßig geklärt und angepasst werden, um Redundanzen oder blinde Flecken zu vermeiden. Das gilt besonders bei unklarer Rollenverteilung.

Kommunikation und persönliche Kompetenzen als Erfolgsfaktor

Auch die Anforderungen an Kommunikation und Vertrauen sind hoch. Transparente Kommunikation bildet die Grundlage für gegenseitiges Verständnis. Vertrauen entsteht nicht automatisch, sondern muss aktiv aufgebaut werden. Wo es fehlt, können leicht Missverständnisse, Unsicherheiten oder verdeckte Konflikte entstehen.

Hinzu kommen hohe Anforderungen an persönliche Kompetenzen. Wer in einem Shared-Leadership-Modell Verantwortung übernimmt, benötigt ausgeprägte Soft Skills wie Konfliktfähigkeit, Empathie und Selbstreflexion. Zentral ist dabei die Selbstkompetenz, vor allem in Hinblick auf Selbstorganisation und Entscheidungsfähigkeit. Nicht jede Mitarbeiterin und nicht jeder Mitarbeiter will oder kann Führungsverantwortung übernehmen. Da Leitung hier nicht mehr an eine Position, sondern an eine Rolle geknüpft ist, erfordert das Modell in vielen Fällen ein grundlegendes Umdenken.

Shared Leadership in der Anwendung

Ob Start-up, Mittelstand oder Konzern: Immer mehr Arbeitgeber erkennen die Vorteile geteilter Führung und setzen sie gezielt ein. Die Umsetzung kann dabei je nach Organisationsstruktur, Branche oder Projektform unterschiedlich aussehen.

Beispiele aus der Praxis

  • Shared Leadership in der Schule: In Schulen übernehmen Lehrkräfte und Schulleitung gemeinsam Führungsverantwortung, etwa in pädagogischen Fragen, Personalentwicklung oder Schulorganisation. Das stärkt die Eigenverantwortung und entlastet die Schulleitung.
  • Top Sharing: Während beim Jobsharing 2 Mitarbeitende sich eine Stelle teilen, zielt Top Sharing auf ein gleichberechtigtes Leitungsmodell ab.
  • Fractional Leadership: Durch eine Übergangsanstellung kann externe Führungsexpertise temporär und anteilig im Betrieb eingebunden werden, zum Beispiel in der Rolle eines Interim Head of People and Culture, der im Tandem mit der internen Führungskraft agiert.

Implementierung im Unternehmen

  • Klare Rollen definieren: Wer übernimmt wann welche Verantwortung? Das muss im Vorfeld abgestimmt werden.
  • Führungsverständnis schärfen: Alle Beteiligten sollten ein gemeinsames Verständnis von Führung und Zusammenarbeit entwickeln. Ein gemeinsamer Workshop kann hier helfen.
  • Strukturelle Voraussetzungen schaffen: Flexible Prozesse, transparente Kommunikation und digitale Tools unterstützen die Umsetzung.
  • Pilotprojekte starten: Shared Leadership kann in Pilotprojekten oder ausgewählten Teams mit begleitender Reflexion getestet werden. Eine gezielte Führungskräfteentwicklung unterstützt die Teams darin, die für diese Form der Leitung erforderlichen Kompetenzen aufzubauen und zu festigen.
  • Neue Wege der Kompetenzentwicklung: Mitarbeitende können auch ohne formale Führungsrolle Führungsaufgaben übernehmen und Leadership-Skills entwickeln. So lassen sich Nachwuchskräfte frühzeitig fördern und die Führungsstärke der gesamten Organisation stärken.

Verwandte Konzepte und Abgrenzung zu anderen Führungsstilen

Shared Leadership ist Teil einer größeren Entwicklung hin zu kooperativen, flexiblen Führungsmodellen. Einige Konzepte überschneiden sich inhaltlich, unterscheiden sich jedoch in Zielsetzung und Ausprägung.

Transformational Leadership

Dieses Führungsmodell betont die Aspekte Inspiration, Vision und persönliche Entwicklung im Team. Im Unterschied zu Shared Leadership bleibt bei Transformational Leadership die Führungsverantwortung jedoch meist bei einer zentralen Person, die Mitarbeitende durch Vorbildfunktion und Motivation führt. Rollenteilung spielt hier keine Rolle. Beide Ansätze können sich in modernen Organisationen wirkungsvoll ergänzen

Kollaborative Führung

Bei kollaborativer Führung geht es ähnlich wie bei Shared Leadership um gemeinsame Entscheidungsprozesse. Der Fokus liegt jedoch stärker auf der Zusammenarbeit im gesamten Team, unabhängig von formaler Führungsverantwortung. Die Führung entsteht situativ, aus dem Miteinander heraus, oft ohne feste Struktur.

Distributive Führung

Distributive Führung beschreibt die systematische Verteilung von Führungsaufgaben auf mehrere Personen oder Rollen. Im Unterschied zum flexiblen Rollenverständnis bei Shared Leadership sind die Aufgaben hier meist fest zugeordnet, etwa in Form von dezentralen Verantwortlichkeiten in einer Matrixorganisation.

Abgrenzung zu traditionellen Modellen

Klassische Modelle wie patriarchalische Ansätze oder ein autoritärer Führungsstil setzen auf eine zentrale Führungsperson mit klarer Anweisungskompetenz. Shared Leadership dagegen verlässt diese Logik zugunsten einer vernetzten, rollenbasierten Steuerung, bei der Expertise statt Position entscheidet.

FAQ zu Shared Leadership

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