Autoritärer Führungsstil zeichnet Bild von Rückschritt und Cholerik
Dies bestätigt auch der aktuelle Leadership-Monitor von HR WORKS. Die Ergebnisse der Befragung unter 2.083 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus verschiedenen Branchen der deutschen Wirtschaft legen nahe, dass autoritäre Führungskräfte aus Mitarbeitersicht weitaus schlechter bei den Attributen „motivierend“ und „strukturiert“ abschneiden, als nicht-autoritäre. Zudem werden sie deutlich häufiger als „rückwärtsgewandt“ und „cholerisch” beschrieben, häufige Nachteile des autoritären Führungsstils.
Auch die These, dass eine autoritäre Führung zwar unbequem, aber durchsetzungsstark sei, scheint angesichts der Studienergebnisse in der Praxis widerlegt. Demnach attestierten 51% bzw. 58% der Befragten ihrer autoritären Führungskraft Lösungsorientiertheit bzw. Entscheidungsfreudigkeit. Bei den Umfrageteilnehmern mit einer kooperativen Führungskraft waren es hingegen 87% bzw. 82%.
Welchen Führungsstil verfolgen die meisten Vorgesetzten in Deutschland?
Nach den Ergebnissen des Leadership-Monitors sind sich mehr als die Hälfte der Befragten einig: Ihre Führungskräfte leiten ihre Bereiche kooperativ. Dieser Führungsstil setzt auf Mitbestimmung und eigenverantwortliches Handeln. 19 % der Befragten gaben an, dass ihre Führungskraft autoritär ist, Entscheidungen allein trifft und Anweisungen gibt, ohne die Mitarbeitenden einzubinden.
Mitarbeiterzufriedenheit hängt (auch) vom Führungsstil ab
Vor diesem Hintergrund stellt sich berechtigterweise die Frage: Ist ein autoritärer Führungsstil zeitgemäß? Die Antwort lautet: Nein. Aus der Perspektive der Mitarbeitenden ist der autoritäre Führungsstil weder bei Innovation, Effizienz oder Wirtschaftlichkeit noch bei Restrukturierung oder Digitalisierung erfolgreicher als der kooperative Führungsstil.
Im Gegenteil: 87% der Befragten gaben im Rahmen des Leadership-Monitors an, mit dem kooperativen Führungsstil ihrer Vorgesetzten zufrieden zu sein. Diese Zufriedenheit spiegelt sich in einer guten Work-Life-Balance wider. Insbesondere eine bescheidene, auf Kollaboration und offenen Austausch gerichtete Führung – so genanntes Humble Leadership – schafft Autorität, ohne dass sie die Kompetenz und die Meinung von Mitarbeitenden untergräbt bzw. unterordnet.
Bei autoritär geführten Mitarbeitenden lag die Quote der Mitarbeiterzufriedenheit hingegen nur bei 35%. Auch für die Bewältigung von Branchenkrisen sahen mehr als zwei Drittel der Befragten einen kooperativen Führungsstil als wirksamer an. Noch drastischer: 43% der befragten Mitarbeiter gaben an, dass ein autoritärer Führungsstil für sie ein Kündigungsgrund wäre.
Alternative Führungsstile: Kooperation statt Kontrolle
Viele moderne Unternehmen setzen heute auf flexiblere und menschlichere Führungsansätze. Besonders beliebt ist der kooperative Führungsstil, bei dem Führungskräfte Entscheidungen gemeinsam mit ihren Teams treffen. Hier werden Kommunikation, Vertrauen und die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden gefördert – das steigert Motivation und Innovationskraft. Ähnliches gilt für die agile Führung. Bei diesem Ansatz stehen dezentralisierte Entscheidungen im Fokus, die auf aktuellem Feedback aus dem Team beruhen.
Der kooperative Führungsstil
Auf dem modernen deutschen Arbeitsmarkt ist der kooperative Führungsstil am weitesten verbreitet. Er ist damit das Mittel der Wahl für flache Hierarchien, die sich im Zuge der New-Work-Modelle und HR 4.0 immer stärker durchsetzen.
Doch auch für diesen Führungsstil müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, damit die Zusammenarbeit konstruktiv funktioniert: Es braucht offene, transparente Kommunikation, Eigenverantwortung der Mitarbeitenden und eine wertschätzende Feedbackkultur. Auch die Prozesse für Entscheidungsfindungen müssen gut strukturiert sein und es muss klar sein, wer in einer unklaren Situation das letzte Wort hat.
Der Laissez-faire-Führungsstil
Das sprichwörtliche Gegenteil eines autoritären Führungsstils ist der sogenannte Laissez-faire-Führungsstil. Dabei arbeiten die Mitarbeiter weitestgehend selbstständig und Führungskräfte greifen kaum ein. Dieser Ansatz kann in kreativen oder forschungsorientierten Umgebungen funktionieren, setzt aber ein hohes Maß an Selbstorganisation voraus.
Warum werden autoritäre Führungskräfte heute noch toleriert?
Weil es kaum Gegenstimmen bzw. keine ausgleichenden Instanzen gibt, setzen sich autoritäre Führungskräfte oftmals weiterhin durch Studien zeigen: Die Folgen schlechter Führung stehen in direktem Zusammenhang mit dem Führungsverhalten. Dennoch werden auch heute noch vielerorts toxische Führungskräfte, die über fragwürdig eingesetzte Soft Skills verfügen und deren Cultural Fit mit dem Unternehmen höchst zweifelhaft ist, sowie schädliche Kommunikationsmuster in zahlreichen Unternehmen geduldet. Ein zentraler Grund dafür liegt in der Rolle von HR und darin, welchen Einfluss diese Abteilung in unterschiedlichen Unternehmen nehmen darf.
So wirkt sich HR auf autoritäre Führung aus
Die Studienlage zeigt: Gerade dort, wo ein autoritärer Führungsstil vorherrscht, fehlt es häufig an zwischenmenschlichem Gespür und Empathie. Diese Rolle wünschen sich Mitarbeitende in diesem Kontext von Human Resources. Knapp die Hälfte (48%) der Mitarbeitenden mit autoritären Führungskräften fordert explizit mehr Einfluss dieser Abteilung. Je weniger emotional unterstützt sich Mitarbeitende fühlen, desto stärker wird der Ruf nach HR.
Gerade in autoritär geführten Unternehmen wird HR oft als Instanz wahrgenommen, die schädliche Führungskulturen aufbrechen könnte – durch aktives Zuhören sowie Teambuilding- und Feedback-Maßnahmen. Oder indem die Abteilung einen Feelgood-Manager einstellt. Paradox: Je mehr Unterstützung durch HR aufgrund autoritärer Führung nötig ist, desto seltener greift die Abteilung ein. Ein möglicher Grund dafür ist, dass in stark hierarchischen Unternehmen den Personalabteilungen häufig Entscheidungsbefugnisse fehlen, um ihre Arbeit auszuführen.
Kooperation führt langfristig zum Erfolg
Auch wenn autoritär geführte Teams kurzfristig sehr effizient sein können, wünschen sich die meisten Menschen heute Führung, die auf Vertrauen, Austausch und gemeinsamer Verantwortung basiert. Der autoritäre Führungsstil hat seine Berechtigung in Ausnahmesituationen, doch auf Dauer überzeugt vor allem ein kooperativer Führungsstil, der Mitarbeitende einbindet, motiviert und ihnen Raum für Eigenverantwortung gibt.
Das bestätigt auch die aktuelle Studienlage. Demzufolge spricht sich ein Großteil der deutschen Mitarbeitenden gegen einen autoritären Stil aus. Statt dass der Führungsstil autoritär ist, wünschen sich Angestellte überwiegend empathische, unterstützende und kooperative Führungskräfte. Diese sollten nicht nur Entscheidungsfreude zeigen, sondern diese auch mit Reflexionsvermögen und klarer Kommunikation verbinden.
Denn nachhaltiger Erfolg entsteht nicht durch strikte Kontrolle, sondern durch Zusammenarbeit und gegenseitigen Respekt.
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