Exit-Interview: 5 Tipps für ein gutes Austrittsgespräch
Egal, ob aufgrund eines Umzugs, einer Umschulung oder weil eine berufliche Veränderung ansteht: Im Schnitt wechseln Menschen nach Angaben der Jobplattform Stepstone im Laufe ihres Arbeitslebens viermal den Arbeitgeber. Es gehört zum Alltag eines Unternehmens, dass Mitarbeitende kommen und gehen. Für einen positiven Eindruck und Lerneffekte auf beiden Seiten ist ein Exit-Gespräch im Zuge des Offboarding-Prozesses unverzichtbar und fester Bestandteil einer guten Unternehmenskultur.
Das Wichtigste in Kürze
- Wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, sollte ein ausführliches Exit-Gespräch stattfinden.
- Das Gespräch bietet dem Arbeitgeber die Chance, ehrliches Feedback zu erhalten und ermöglicht es, dem Mitarbeiter Dank und Wertschätzung auszusprechen.
- Ein wertschätzender Abschied signalisiert eine positive Unternehmenskultur.
- So behält der scheidende Mitarbeiter das Unternehmen in guter Erinnerung.
Welche Vorteile bietet ein Exit-Interview?
Ein Exit-Interview, auch Austrittsgespräch, am Ende eines Beschäftigungsverhältnisses ist ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung und bringt im besten Fall wertvolle Erkenntnisse für Mitarbeitende und Unternehmen. Indem Unternehmen zuhören und Fragen stellen, erfahren sie detailliert, warum Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, und können gegebenenfalls Maßnahmen zur Verbesserung erarbeiten.
Ein Offboarding-Gespräch liefert wertvolle Einblicke
Der Vorteil: Da das Beschäftigungsverhältnis endet, sind Mitarbeitende im Abschlussgespräch oft motivierter, ihre Meinung zu äußern und Erfahrungen zu schildern. Auch durch das Beisein von Human Resources haben sie in der Regel weniger Angst, Kollegen und Vorgesetzten kritisches Feedback zu geben, und müssen keine negativen Auswirkungen auf ihre Karriere befürchten. So haben Unternehmen die größte Chance, ehrliches Feedback von ihren Mitarbeitern zu erhalten.
Warum Exit-Gespräche keine Abrechnung sein sollten
Dennoch ist ein konstruktives Austrittsgespräch im Zuge des Offboarding für beide Seiten wichtig. Wenn das Gespräch primär aus gegenseitigen Schuldzuweisungen besteht, hat keiner etwas davon: weder das Unternehmen, das sich ehrliche und authentische Einblicke wünscht und erfahren möchte, warum der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Und auch nicht die ausscheidenden Mitarbeitenden, die in der Regel auf eine gute Empfehlung hoffen.
Im Rahmen einer optimalen Vorbereitung ist es sinnvoll, dass HR-Manager und Abteilungsleitungen die wichtigsten Punkte des Exit-Interviews vorab besprechen und mit einer wohlwollenden Haltung in das Gespräch starten.
5 Tipps für ein konstruktives Austrittsinterview
Es ist soweit: Die Kündigungsfristen, die für eine ordentliche Kündigung gelten, sind verstrichen, und die letzten Arbeitstage des Mitarbeiters im Unternehmen stehen bevor. Es ist Zeit für das Offboarding-Gespräch, bei dem sich HR-Abteilungen, Abteilungsleitungen und die scheidenden Mitarbeiter zusammensetzen. Mit diesen 5 Tipps holen Unternehmen das Maximum aus der Feedback-Möglichkeit heraus:
1. Gründe für den Unternehmensaustritt empathisch erfragen
An dieser Stelle ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Gründe, warum Mitarbeiter beschlossen haben, das Unternehmen zu verlassen, können schließlich sehr vielfältig sein und vom Wunsch nach neuen Aufgaben bis hin zu privaten Schicksalen reichen. Indem Unternehmen ihre Exit-Interview-Fragen offen stellen und nicht übergriffig nachbohren, zeigen sie Empathie und geben ihren scheidenden Mitarbeitern die Möglichkeit, so authentisch wie möglich zu antworten.
Beispiel: Herr Müller kündigt, weil er mehr Zeit benötigt, um seinen demenzkranken Vater zu unterstützen. In seinem Heimatort hat er einen Betrieb gefunden, der ihm bei gleichem Gehalt deutlich flexiblere Arbeitszeiten bietet. Sein Noch-Arbeitgeber fragt Herrn Müller, ob es etwas gibt, was er sich gewünscht hätte. Herr Müller schildert seine private Situation und berichtet ehrlich, was ihn zum Wechsel bewogen hat. Das Unternehmen nimmt mit, dass es sich selbst um ein flexibleres Arbeitszeitmodell bemühen möchte.
2. Wertschätzung und Dank aussprechen
In jedem Berufsalltag gibt es Aufs und Abs, Dinge, die gut laufen, und Themen, die optimiert werden können. Manchmal gehen Arbeitsverhältnisse auseinander, weil es fachlich oder zwischenmenschlich schlichtweg nicht passt. Dennoch ist ein Exit-Gespräch eine gute Möglichkeit, um Wertschätzung und Dank auszusprechen, ohne verbale Abrechnungen.
Beispiel: Die Führungskraft Frau Schneider ist mit ihrer direkten Art bei ihrem Arbeitgeber und im Kollegenkreis häufig angeeckt. Als sie selbst kündigt, um eine Stelle bei einer gemeinnützigen Organisation anzutreten, sind viele Kollegen erleichtert. Im Austrittsgespräch besinnt sich das Unternehmen auf die Stärken von Frau Schneider, beispielsweise ihren Mut und ihren Pragmatismus. Das Gespräch verläuft ohne Schuldzuweisungen. So hat Frau Schneider das Unternehmen als guten Arbeitgeber in Erinnerung, der einfach nicht der passende war. Das Unternehmen nimmt für sich mit, regelmäßig Workshops zum Thema “Führungspersönlichkeiten und Kommunikation” anzubieten.
3. Kontaktmöglichkeiten anbieten
Unsere moderne Arbeitswelt ist vernetzter als je zuvor. Oft kreuzen sich die Wege von Mitarbeitenden und Unternehmen mehrfach, und es gibt verschiedene Schnittstellen, die eine spätere Zusammenarbeit durchaus wahrscheinlich machen. Eine Vernetzung über moderne Karriereportale wie LinkedIn oder XING schadet nicht.
Beispiel: Der Jurist Herr Zander verlässt seine Kanzlei, weil er im Unternehmensrecht bessere Karrierechancen für sich sieht. Als er wenige Monate nach seinem Wechsel von einem neuen Kollegen nach einem Experten für Arbeitsrecht gefragt wird, fällt ihm direkt ein ehemaliger Kanzlei-Kollege ein. Er vernetzt beide schnell und unkompliziert über LinkedIn.
4. Die Tür offen halten
Besser spät als nie: Insbesondere, wenn die Fronten zwischen den Mitarbeitenden und Unternehmen nicht verhärtet sind, kann ein Exit-Interview im Zweifel der Grundstein für eine spätere Zusammenarbeit sein. Sofern der Mitarbeitende noch keinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, kann aus einem Endgespräch mitunter sogar ein Stay Interview werden. Das Stay Interview, das idealerweise während des Beschäftigungsverhältnisses regelmäßig wie ein klassisches Mitarbeitergespräch stattfindet, dient dazu, leistungsstarke, aber wechselwillige Mitarbeitende im Betrieb zu halten und einen Unternehmensaustritt abzuwenden.
Beispiel: Die Erzieherin Frau Schlosser ist mit den Arbeitsbedingungen an ihrer Kindertagesstätte nicht zufrieden. Obwohl sie sehr an den ihr anvertrauten Kindern hängt, hat sie sich nach einer neuen Stelle umgesehen. Im Exit-Gespräch spricht Frau Schlosser das erste Mal völlig offen mit der neuen Kitaleitung. Dabei stellt sich heraus, dass einige wichtige strukturelle Veränderungen bereits angestoßen sind. Nach dem Gespräch entscheidet sich Frau Schlosser zu bleiben und gibt der Kita noch eine Chance.
5. Den Übergang in den neuen Job erleichtern
Vor allem in großen Unternehmen ist das sogenannte Outplacement ein Thema, das zunehmend an Relevanz gewinnt. Dabei zeigen Arbeitgeber soziale Verantwortung, indem sie etwa nach einer betriebsbedingten Kündigung den Übergang ihrer Mitarbeitenden in eine neue berufliche Phase erleichtern. Das kann beispielsweise durch Weiterbildungen oder Karriere-Workshops geschehen. Gerade in Zeiten zahlreicher Entlassungen ist ein gutes Outplacement ein Zeichen für soziale Verantwortung. Das Exit-Gespräch kann als Anlass genommen werden, um diesbezüglich Wünsche und Pläne des scheidenden Mitarbeiters zu besprechen.
Beispiel: Ein mittelständischer Betrieb in der Automobilindustrie ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das Unternehmen muss 20 Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen. In persönlichen Gesprächen, die den Kündigungen vorausgehen, stellt sich heraus, dass viele der betroffenen Arbeitnehmer Angst vor den Herausforderungen des modernen Arbeitsmarktes haben. Insbesondere im Bereich Digitalkenntnisse fürchten einige Mitarbeiter Defizite. Der Arbeitgeber organisiert im Rahmen des Outplacements eine umfangreiche Digitalschulung für alle Mitarbeiter, einschließlich derer, die das Unternehmen verlassen.
Egal, warum Menschen ihren Job kündigen: Exit gut gestalten
Die Antwort auf die Frage, warum Menschen ihren Job kündigen, ist sehr individuell. Im Rahmen einer Studie hat die US-Firma iHire im vergangenen Jahr 2.000 Mitarbeitende und Arbeitgeber in den USA zu diesem Thema befragt. Demzufolge war der Hauptgrund, warum Mitarbeitende sich entschieden hatten, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, ein toxisches oder negatives Arbeitsumfeld (32,4%).
Dahinter rangierten “schlechte Unternehmensführung” (30,3%) sowie “Unzufriedenheit mit der eigenen Führungskraft” (27,7%). Eine als unzureichend empfundene Bezahlung (20,5%) lag nur an 6. Stelle, knapp hinter einer schlechten Work-Life-Balance (20,8%).
In allen Fällen kann ein souverän gestaltetes Exit-Interview dabei helfen, die Wogen zu glätten und mit möglichst wenig Groll getrennte Wege zu gehen. Das Feedback der scheidenden Mitarbeiter kann dazu beitragen, die Gegebenheiten im Unternehmen zum Positiven zu verändern.
On- und Offboarding als ein Zeichen einer guten Unternehmenskultur
Ein gutes On- und Offboarding ist ein starkes Zeichen für eine gesunde und reife Unternehmenskultur. Es zeigt, wie ein Unternehmen mit Menschen umgeht, vom ersten bis zum letzten Tag ihrer Betriebszugehörigkeit. Während es beim Onboarding vor allem darum geht, neue Mitarbeitende willkommen zu heißen, sie aktiv zu integrieren und für ihre neue Stelle sowie relevante Themen zu befähigen, ist auch das Offboarding ein wertvoller Prozess.
Dabei muss es nicht immer ein Abschlussgespräch mit dem Chef sein. In der Regel leiten HR-Verantwortliche und Abteilungsleitungen die Abschlussgespräche. Durch transparente Kommunikation und wertschätzendes Feedback zeigt das Unternehmen Respekt und Lernbereitschaft. Es erhält wertvolle Impulse und bleibt positiv in Erinnerung.
FAQ zum Exit-Interview
Ein Exit-Interview ist ein Austrittsgespräch am Ende des Arbeitsverhältnisses. Es klärt Gründe für den Weggang und spiegelt die Wertschätzung sowie die Kultur des Unternehmens.
Es liefert ehrliches Feedback zu Arbeitsumfeld, Führung und Rahmenbedingungen. Unternehmen gewinnen Verbesserungsansätze, Mitarbeitende können Erfahrungen offen teilen, ohne berufliche Nachteile zu befürchten.
Erforderlich sind empathische Fragen, eine offene Haltung und das Vermeiden von Schuldzuweisungen. Dank, Anerkennung, Kontaktangebote und gegebenenfalls Outplacement zeigen Respekt und unterstützen den weiteren Berufsweg.
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