Ihr Geld wert: Vorteile für Arbeitnehmer und -geber

Geldwerter Vorteil

6 Min. Lesezeit | Zur Lexikon-Übersicht

Steuerfreie Sachleistungen für Arbeitnehmer

Jeder Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, das reguläre Einkommen seiner Angestellten durch sogenannte geldwerte Vorteile zu ergänzen. Die meisten dieser zusätzlichen Sachleistungen werden in der Lohnsteuer verrechnet. Dies ist ein komplizierter Prozess, der bei falscher Ausführung schnell zu einer Betriebsprüfung führt. Überlassen Sie die Verrechnung des geldwerten Vorteils in der Steuererklärung daher unbedingt einem Steuerberater.

Doch was ist ein geldwerter Vorteil? Und worauf müssen Sie bei der Berechnung des geldwerten Vorteils unbedingt achten? Diese Fragen beantwortet der folgende Artikel.

Geldweiter Vorteil versteuern: So gehen Sie dabei vor

Geldwerter Vorteil Definition: Was ist ein geldwerter Vorteil?

Als geldwerter Vorteil (auch vermögenswerter Vorteil oder GWV) gelten Sachleistungen, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zusätzlich zum Gehalt zur Verfügung stellt. Es gilt stets der Betrag als geldwerter Vorteil, den der Arbeitnehmer bei einer selbstständigen Finanzierung in diese Sachleistung investieren müsste. Ein mit einem Sachbezug verbundener geldwerter Vorteil stellt laut §8 Einkommensteuergesetz (EStG) ein steuer- und sozialversicherungspflichtiges Einkommen dar. Daher müssen Sie in der Folge in der Lohnabrechnung den geldwerten Vorteil versteuern.

Sobald der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt einen finanziellen Zuschuss in unbeschränkter Höhe bereitstellt, handelt es sich um einen steuer- und sozialversicherungsfreien geldwerten Vorteil.

Wie wird ein geldwerter Vorteil versteuert?

Der Arbeitgeber muss immer die tatsächliche Höhe des geldwerten Vorteils versteuern. Der jeweilige Betrag rechnet sich auf das Einkommen des Arbeitnehmers, wovon dann Steuer- und Sozialabgaben gezahlt werden.

Alle Beträge und Werte: Stand 2022

Die in diesem Artikel erwähnten Geldbeträge und Prozentwerte wurden zuletzt am 22.04.2022 aktualisiert.

Sie können den geldwerten Vorteil allerdings auch pauschal für jeden Ihrer Mitarbeiter versteuern. Bei der Berechnung des geldwerten Vorteils gelten dann die folgenden zwei Richtwerte:

  1. Monatliche Freigrenze bis maximal 50 Euro.
  2. Rabattfreibetrag bis maximal 4 Prozent beziehungsweise 1.080 Euro pro Jahr.

Der Rabattfreibetrag gilt für rabattierte Angebote des Dienstleisters. Dazu zählen beispielsweise Personalkäufe im Betrieb, Hotelzimmer für Hotelangestellte oder Fahrzeuge für Mitarbeiter von Autoherstellern. Der geldwerte Vorteil berechnet sich in diesem Fall mit nur 96 Prozent des Originalpreises.

Sobald Sie die Freigrenze und/oder den Freibetrag überschreiten, müssen Sie den geldwerten Vorteil bei der Steuer angeben. Bei der Freigrenze versteuern Sie den gesamten Betrag. Beim Freibetrag lediglich die Differenz zu dem überschrittenen Betrag von 1.080 Euro.

Was ist der Unterschied zwischen einem geldwerten Vorteil und einem Sachbezug?

Grundsätzlich müssen Sie den geldwerten Vorteil versteuern. Sachbezüge können dem Arbeitnehmer bis zu der gesetzlich festgelegten Freigrenze anteilig zum Entgelt steuerfrei gewährt werden. Es handelt sich bei den Sachbezügen also um Naturalien, die der Arbeitnehmer zusätzlich zu seinem Gehalt ausgezahlt bekommt. Sobald die Kosten des Sachbezugs die Freigrenze überschreiten, gelten sie als geldwerter Vorteil und Sie müssen diesen versteuern.

Welche Sachbezüge zählen zum geldwerten Vorteil?

Sie können einen Großteil der geldwerten Vorteile durch Freibeträge und Freigrenzen geltend machen, jedoch gilt es dabei einige Regeln und Vorgaben zu beachten. In der folgenden Übersicht erhalten Sie alle geldwerten Leistungen sowie ihre steuerlichen Besonderheiten im Überblick:

Freibeträge und Freigrenzen beim geldwerten Vorteil

  • Verpflegung (3,57 Euro für Mittag- und Abendessen und 1,87 Euro für ein Frühstück)
  • Arbeitskleidung (komplett steuerfrei, wenn diese ausschließlich für den Beruf geeignet ist; steuerpflichtig, wenn die Kleidung auch privat tragbar ist)
  • Sachbezüge (Gym-Mitgliedschaft, Tankgutscheine oder ähnliches; Freigrenze von 50 Euro)
  • Personalrabatte und Bonusmeilen (Freibetrag von 1.080 Euro)
  • Gesundheitsfördernde Maßnahmen wie Massagen oder Physiotherapie (Freibetrag von 600 Euro; ausgeschlossen sind Mitgliedsbeiträge für Sportvereine und Gyms)
  • Geschenke (Freigrenze von 60 Euro, persönlicher Anlass vorausgesetzt)
  • Arbeitgeberdarlehen (Freibetrag von 2.600 Euro, zum marktüblichen Zins immer steuerfrei)
  • Mitarbeiteraktien (Freibetrag von 360 Euro; der geldwerte Vorteil beträgt die Differenz des Aktienwertes zum Zeitpunkt der Einbuchung und des Ausübungspreis)

Immer steuerfreier geldwerter Vorteil

  • IT-Ausstattung (Voraussetzung: ausschließlich geliehen)
  • Kinderbetreuung (Voraussetzung: nicht schulpflichtige Kinder)
  • Berufsbedingte Umzüge

Immer steuerpflichtiger geldwerter Vorteil

  • Firmenwagen (Bei privater Nutzung durch Fahrtenbuch oder Ein-Prozent-Regelung* zu berechnen)
  • Fahrtkostenzuschuss (30 Cent pro Kilometer bei einer einfachen Fahrt von der Wohnung zum Arbeitsplatz, pauschale Berechnung: 15 % von der Lohnsteuer)
  • Dienstwohnung (der geldwerte Vorteil beträgt die Differenz aus der tatsächlichen Miete und der Vergleichsmiete oder dem amtlichen Sachbezugswert)

*Der Arbeitnehmer versteuert monatlich ein Prozent des Bruttolistenpreises des Firmenwagens in der Einkommensteuer. Die ein Prozent werden ihm zum Bruttogehalt dazugerechnet, sodass der Steuersatz automatisch steigt.

Der Großteil der geldwerten Vorteile verfügt über Freigrenzen oder Freibeträge. Diese gewähren den Arbeitnehmern Freiheiten bei den Steuer- und/oder Sozialabgaben. Jedoch können Sie nicht jeden Sachbezug als geldwerten Vorteil versteuern.

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Wann ist ein geldwerter Vorteil steuerfrei?

Achten Sie als Arbeitgeber beim Anbieten gewisser Sachbezüge darauf, dass sich nicht jeder als geldwerter Vorteil versteuern lässt. Das trifft auf Leistungen zu, bei denen der Eigennutzen dominiert. Sobald die Sachleistung des geldwerten Vorteils eindeutigem Interesse des Unternehmens liegt, ist dieser steuerfrei. So liegt die berufsbezogene Weiterbildung eines Mitarbeiters zum Beispiel im Interesse des Arbeitnehmers, da das Unternehmen von dem neugewonnenen Wissen profitiert.

Folgende Leistungen sind als geldwerter Vorteil nicht steuerpflichtig:

  • Weiterbildungen (Voraussetzung ist ein beruflicher Bezug)
  • Parkplätze an der Arbeitsstätte
  • Obst oder Snacks sowie Getränke

Voraussetzung bei Sachbezugswerten wie Essensgutscheinen oder günstiges Mittagessen ist der bereits erwähnte maximale Wert von 3,57 Euro pro Mittag- und Abendessen sowie 1,87 Euro beim Frühstück.

Geldwerten Vorteil versteuern – Vorzüge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Wenn Sie über den geldwerten Vorteil Sachbezüge richtig versteuern, profitieren sowohl Sie als Arbeitgeber als auch Ihre Mitarbeiter von zahlreichen Vorteilen.

Nutzen des geldwerten Vorteils für Arbeitgeber Nutzen des geldwerten Vorteils für Arbeitnehmer
Höhere Motivation der Mitarbeite Private Kosteneinsparung bei verschiedenen Leistungen (Laptop oder Smartphone sowie Verpflegung)
Bessere Argumente bei der Gewinnung von neuen Mitarbeitern Nettolohnoptimierung (es bleibt mehr Netto vom Brutto bei der Lohnabrechnung übrig)
Vergleichsweise preiswerte Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen
Gestärktes Employer Branding

Gehaltserhöhung oder geldwerter Vorteil – was lohnt sich eher?

Eine Gehaltserhöhung ist – zusätzlich zur Beförderung –meist die erste Wahl, wenn es darum geht, seiner Wertschätzung gegenüber der positiven Arbeit eines Mitarbeiters Ausdruck zu verleihen. Dies ist ein logischer Schritt zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, jedoch nicht unbedingt die attraktivere Vergütungsmöglichkeit.

Denn geldwerte Vorteile wie Mitarbeiterrabatte oder kostenlose Verpflegung sind sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber durchaus attraktiver, da die Abgaben weitaus geringer als bei einer Gehaltserhöhung ausfallen. Voraussetzung ist, dass die Vorteile für jeden Mitarbeiter gleichermaßen gelten. Zusätzlich können Sie bestimmte geldwerte Vorteile, wie zum Beispiel eine Mitarbeiterwohnung, auch durchaus zur Optimierung des Nettolohns verwenden.

Sofern Sie auf die Einhaltung der Freigrenzen und des Freibetrags beim geldwerten Vorteil achten, steht der Nennung dieser Vergütungsoption im nächsten Mitarbeitergespräch also nichts im Weg.

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