Voraussetzungen für erfolgreiche Co-Leitung
Damit Co-Leitung funktioniert, braucht es mehr als nur eine Aufteilung von Aufgaben. Entscheidend ist eine klare Rollenverteilung, die mögliche Überschneidungen minimiert und Verantwortlichkeiten eindeutig definiert.
Eine zentrale Rolle spielen der offene Dialog als Grundlage und eine abgestimmte Führungsphilosophie. Nur wenn beide Personen ähnliche Werte teilen und in dieselbe Richtung führen, entstehen gemeinsame Ziele, die das gesamte Team mittragen kann.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, regelmäßige strategische Abstimmungen und eine offene Feedbackkultur wesentliche Erfolgsfaktoren sind. Ebenso wichtig ist eine transparente Kommunikation, die Orientierung schafft und Sicherheit im Team fördert.
Neben der persönlichen Passung und klaren Zuständigkeiten spielt auch das organisatorische Umfeld eine zentrale Rolle. Co-Leitung kann nur dann nachhaltig wirken, wenn sie in eine Führungskultur eingebettet ist, die moderne Arbeitsweisen unterstützt und weiterdenkt. Auch das Führungsumfeld muss darauf vorbereitet sein: Kompetenzmanagement, informelle Führung und Humble Leadership gewinnen an Bedeutung – insbesondere bei flachen Hierarchien und geteilten Entscheidungswegen.
Das Buch zum Thema: Stefanie Junghans und Janina Schönitz
Zwei, die sich mit modernen Führungskonzepten bestens auskennen, sind Stefanie Junghans und Janina Schönitz. Junghans ist als Co-Leaderin Head of Talent beim Portfolioinvestor Haniel, zuvor war sie als Co-Leiterin beim Software-Konzern SAP. Zusammen mit Janina Schönitz, die ebenfalls in Co-Leitung die Digitale Transformation bei der Deutschen Bahn begleitet, hat sie 2023 das Buch „Co-Leadership – Jobsharing als Antwort auf eine veränderte Arbeitswelt“ veröffentlicht. Es richtet sich an Unternehmen und Einzelpersonen, die neue, inklusive und flexible Führungsmodelle suchen, sowohl aus Interesse an Jobsharing als auch im Kontext des Fachkräftemangels.
Herausforderungen und Risiken
So viel Potenzial das Co-Leadership-Modell auch bietet, ist es doch kein Selbstläufer. Wenn Zuständigkeiten nicht klar geregelt sind oder die Kommunikation nicht funktioniert, entstehen Reibungsverluste, die sich auf das gesamte Team auswirken können.
Besonders kritisch ist bei diesem Modell die Personalführung: Unklare Zuständigkeiten und widersprüchliche Signale können die Mitarbeiterführung destabilisieren, wenn keine klare Kommunikationsstruktur vorliegt.
Typische Herausforderungen im Überblick:
- Unklare und doppelte Zuständigkeiten
- Kommunikationsdefizite bei Abstimmungen oder Entscheidungsprozessen
- Fehlende Akzeptanz im Team oder bei Stakeholdern
- Erhöhter Koordinationsaufwand im Alltag
Für Co-Leitung ist daher nicht nur wichtig, dass die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt. Es bedarf auch organisatorischer Voraussetzungen, wie etwa klarer Berichtsebenen und geeigneter digitaler Tools zur Abstimmung.
Praxisbeispiele und Umsetzungsmodelle
Co-Leitung wird in der Praxis auf unterschiedliche Weise umgesetzt. Ob als gleichberechtigte Doppelspitze in der Geschäftsführung oder als geteilte Leitung einzelner Bereiche: Das Modell lässt sich flexibel an Unternehmensgrößen und -kulturen anpassen.
Ein häufig gewählter Ansatz ist die Co-CEO-Konstellation, bei der 2 Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführer gemeinsam für die Führung zuständig sind. Diese Form eignet sich besonders bei wachstumsstarken oder internationalen Unternehmen, in denen die Aufgaben klar aufgeteilt werden können, etwa in operative und strategische Zuständigkeiten. Auch im Rahmen von Change Management oder bei neuen Rollen wie dem CHRO ist Co-Leitung als Modell anschlussfähig.
Auch auf Bereichsleitungsebene zeigt sich das Potenzial: Jobsharing in Führungspositionen ermöglicht es, Fachkräfte mit Teilzeitwunsch langfristig zu binden. Dabei kann ein Co-Lead-Modell sowohl temporär –etwa zur Einarbeitung – als auch dauerhaft etabliert werden. Besonders im Bereich Human Resources entstehen so neue Ansätze zur Gestaltung moderner Führungsstrukturen. Co-Leitung lässt sich gut in moderne Führungsansätze wie New Leadership, Transformational Leadership oder allgemein agile Führung integrieren, besonders in Organisationen mit flachen Hierarchien und partizipativen Entscheidungsstrukturen.
Eine erfolgreiche Umsetzung von Co-Leadership setzt mehrere Faktoren voraus: klare Kommunikationsregeln, transparente Absprachen über Zuständigkeiten sowie eine breite Akzeptanz – sowohl im Team als auch an relevanten Schnittstellen. Digitale Tools unterstützen die Abstimmung im Alltag, sollten jedoch nicht alleinstehend wirken. Entscheidend ist zudem, Co-Leadership als festen Bestandteil in der Führungskräfteentwicklung zu verankern, um Kompetenzen, Haltung und Prozesse gezielt aufzubauen.