Vaterschaftsurlaub 2026: Wie geht es weiter?
Die Geburt eines Kindes ist ein großes Erlebnis – nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter. Immer mehr Männer möchten von Anfang an Verantwortung übernehmen und die erste Zeit intensiv miterleben. Doch welche gesetzlichen Regelungen gelten eigentlich beim Vaterschaftsurlaub in Deutschland? Wie lange kann ein Vater nach der Geburt zu Hause bleiben? Und gibt es finanzielle Unterstützung?
Das Wichtigste in Kürze
- Einen gesonderten Anspruch auf “Vaterschaftsurlaub” gibt es in Deutschland nicht. Die Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie in nationales Recht steht aktuell noch aus.
- Dennoch haben alle Menschen in so genannter Elterneigenschaft in Deutschland Anspruch auf Elternzeit und ein befristetes Elterngeld. Viele Arbeitgeber gewähren ihren Mitarbeitern zudem ein bis 2 Tage Sonderurlaub.
- HR-Verantwortliche sollten die Elternzeit gemeinsam mit ihren Mitarbeitern gut planen. So funktionieren Prozesse weiterhin reibungslos, Arbeitnehmer können ihre Auszeit entspannt genießen und kehren im Anschluss motiviert wieder in ihren Job zurück.
Vaterschaftsurlaub nach der Geburt: Das sagt das Gesetz
Ein eigenständiger gesetzlicher Vaterschaftsurlaub nach der Geburt, wie ihn die EU-Richtlinie (EU) 2019/1158, auch Work-Life-Balance-Richtlinie, vorsieht, ist in Deutschland bislang nicht als bezahlter Sonderurlaub geregelt. Ein genereller Anspruch auf Vaterschaftsurlaub besteht daher aktuell nicht.
Allerdings haben Väter verschiedene Möglichkeiten, um nach der Geburt möglichst viel Zeit mit ihrem Nachwuchs zu verbringen:
- Elternzeit nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG): Väter haben – genau wie Mütter – Anspruch auf Elternzeit (früher auch als “Erziehungsurlaub Vater” bezeichnet). Die maßgeblichen Regelungen zur Elternzeit sind im BEEG festgelegt. Voraussetzung ist, dass eine rechtliche Elterneigenschaft vorliegt, also etwa durch Abstammung, Anerkennung und Adoption.
- Sonderurlaub laut Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag: Manche Arbeitgeber gewähren zur Geburt eines Kindes den werdenden Vätern einen bis 2 Tage bezahlten Sonderurlaub. Häufig sind entsprechende Regelungen in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag definiert. Ein gesetzlicher Anspruch auf einen zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub, wie ihn die EU-Richtlinie vorsieht und er zum Beispiel in Italien Pflicht ist, besteht jedoch bislang nicht.
- Unbezahlte Freistellung in Absprache mit dem Arbeitgeber: Besteht kein Anspruch auf eine bezahlte Freistellung und ist der allgemeine Urlaubsanspruch nach dem Bundesurlaubsgesetz bereits verplant oder aufgebraucht, können Väter in spe individuell besprechen, dass unbezahlter Urlaub genommen wird. Dafür braucht es allerdings die Zustimmung des Arbeitgebers.
Einen gesetzlichen Anspruch auf Väterurlaub gibt es (noch) nicht
Wichtig für HR: Der gesetzliche Anspruch auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub entsteht primär über das Recht auf Elternzeit, nicht über einen automatisch bezahlten Sonderurlaub.
Auf europäischer Ebene sieht die EU-Richtlinie EU 2019/1158 allerdings einen Elternurlaub von mindestens 10 Arbeitstagen für Väter vor, was in vielen EU-Ländern bereits umgesetzt ist. Anders als die meisten Nachbarländer ist Deutschland seiner Verpflichtung zur Umsetzung der Richtlinie bisher nicht nachgekommen.
Die politische Diskussion um einen gesetzlichen, bezahlten Vaterschaftsurlaub und dessen Finanzierung ist in Deutschland unter dem Stichpunkt “Familienstartzeit” weiterhin im Gange. Eine Ausnahme bilden Bundesbeamte, für die das EU-Recht bereits gilt.
So lange hat der Vater nach der Geburt frei
Im Rahmen der Elternzeit können Väter ebenso wie Mütter bis zu 3 Jahre pro Kind zu Hause bleiben. Diese Zeit kann flexibel aufgeteilt werden. So dürfen Eltern grundsätzlich bis zu 24 Monate zwischen dem 3. und 8. Geburtstag des Kindes in Anspruch nehmen. Insgesamt kann die Elternzeit in bis zu 3 Zeitabschnitte aufgeteilt werden.
Gut zu wissen: Während der Elternzeit besteht Kündigungsschutz und Mütter und Väter haben die Möglichkeit, ihre Tätigkeit schon vor Ablauf der Elternzeit mit bis zu 32 Stunden in Teilzeit wieder aufzunehmen. Theoretisch ist auch die Teilzeitbeschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber möglich. Finanziell unterstützt der Staat Eltern mit insgesamt bis zu 14 Monaten vollem Elterngeld pro Familie.
Gibt es Vaterschaftsgeld?
Ein eigenes „Vaterschaftsgeld“ gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen haben Väter Anspruch auf Elterngeld, wenn sie ihr Kind selbst betreuen, mit dem Kind in einem Haushalt leben und nicht oder nur teilweise arbeiten.
Das Basiselterngeld entspricht in der Regel 65 bis 67% (bei Alleinerziehenden) des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate vor der Geburt. Es beträgt mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro pro Monat. Ergänzend können Unternehmen ihren Mitarbeitern steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse gewähren.
Können beide Elternteile gleichzeitig bezahlte Elternzeit nehmen?
Ja. Viele Väter entscheiden sich für die sogenannten „Partnermonate“ beim Elterngeld. Das ist insbesondere der Fall, wenn sie über ein höheres Einkommen als ihre Partnerin verfügen und der Elterngeldanspruch entsprechend höher ausfällt. Wenn beide Elternteile Elternzeit nehmen, stehen insgesamt 14 Monate Basiselterngeld zur Verfügung (statt 12 Monate bei nur einem Elternteil in Elternzeit).
Alternativ gibt es das ElterngeldPlus. Dieses ist zwar in der Summe identisch mit dem klassischen Elterngeld, ermöglicht dafür aber eine längere Bezugsdauer von bis zu 24 Monaten bei paralleler Teilzeitarbeit sowie einen entsprechenden Urlaubsanspruch bei Teilzeit. Für HR ist dabei wichtig, dass Beschäftigte die Elternzeit rechtzeitig beantragen, da nur so eine fristgerechte Planung und Umsetzung der Elternzeit gewährleistet werden kann.
So viele Männer nehmen in Deutschland Elternzeit
Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) erhielten im Jahr 2022 etwa 482.000 Männer in Deutschland für einen begrenzten Zeitraum Elterngeld. Das entspricht prozentual einem Anteil von etwa 26,1% aller Elterngeldbezieher, während rund 1,4 Millionen Frauen Elterngeld erhalten haben.
Die durchschnittliche Dauer des geplanten Elterngeldbezugs lag bei den Frauen im Jahr 2022 – wie schon im Vorjahr – bei 14,6 Monaten. Die von Männern angestrebte Bezugsdauer war mit durchschnittlich 3,6 Monaten dagegen deutlich kürzer.
Vaterschaftszeit hat viele Vorteile
Elternzeit, Kündigungsschutz, Elterngeld – das klingt nach vielen Vorteilen für frischgebackene Eltern und Väter, die aus dem “traditionellen” Familienmodell ausbrechen. Doch profitiert auch der Arbeitgeber, wenn sich die Mitarbeiter zugunsten der Familie eine Weile aus dem Arbeitsleben zurückziehen? Ja – auch aus Unternehmenssicht gewinnt die partnerschaftliche Aufteilung der Elternzeit zunehmend an Bedeutung. Sie kann zur Mitarbeiterbindung beitragen, indem sich die Arbeitnehmer durch großzügige, flexible Regelungen gesehen und wertgeschätzt fühlen. Gleichzeitig werden so moderne, gleichberechtigte Arbeitskulturen gestärkt.
Auch die Wünsche (potenzieller) Talente spielen an dieser Stelle eine wichtige Rolle: So erwarten Beschäftigte zunehmend flexible Modelle im Sinne eines guten Work-Life-Blending. Mitarbeiter, die Berufs- und Privatleben gut miteinander vereinbaren können, sind in der Regel zufriedener und motivierter. Das stärkt auch die Produktivität und die Loyalität zum Arbeitgeber bzw. macht letzteren für Top-Talente als solchen attraktiv.
Wann muss man(n) Vaterschaftsurlaub beantragen?
Der Vaterschaftsurlaub in Form von Elternzeit muss spätestens 7 Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber angemeldet werden. Der Antrag muss dabei schriftlich erfolgen und eigenhändig unterschrieben sein. Dies geschieht häufig in Verbindung mit einem standardisierten Urlaubsantrag oder separaten Elternzeitformularen.
Personalabteilungen sollten rechtzeitig mit werdenden Eltern Kontakt aufnehmen, um auch für die Zeit der Abwesenheit eine gute Personal- und Urlaubsplanung gewährleisten zu können.
Wichtig: Die Zeiträume der gewünschten Elternzeit für die ersten 2 Lebensjahre des Kindes sind verbindlich festzulegen. Eine nachträgliche Änderung ist nur mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.
Andere europäische Länder sind Vorreiter in puncto Gleichstellung
Beim Thema Vaterschaftsurlaub sind uns andere Länder teilweise voraus. So ist es in Portugal und Italien für Väter sogar Pflicht, 10 bis 20 Tage Vaterschaftsurlaub zu nehmen. In den Niederlanden haben Väter Anspruch auf eine Woche vergüteten Vaterurlaub nach der Geburt und bis zu 5 Wochen mit einem 70%-igen Lohnersatz. Spanien gilt als europäischer Vorreiter bei der Gleichstellung: Dort haben Väter nach der Geburt Anspruch auf 16 Wochen voll bezahlten Vaterschaftsurlaub. Diesen Anspruch können sie auch nicht auf die Mutter übertragen.
Gelten dieselben Regeln für gleichgeschlechtliche Partnerschaften?
Ja. In Deutschland ist beim Thema Elternzeit die rechtliche Elternschaft entscheidend, nicht das Geschlecht der Eltern. Grundlage ist das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG).
Das bedeutet: Gleichgeschlechtliche Paare haben grundsätzlich die gleichen Rechte auf Elternzeit und Elterngeld wie Paare unterschiedlichen Geschlechts – sofern beide rechtlich als Eltern anerkannt sind.
Diese Rechte gelten für Väter
Werdende und frischgebackene Väter in Deutschland haben aktuell keinen gesetzlich festgelegten, eigenständigen Kurz-Vaterschaftsurlaub direkt nach der Geburt. Dennoch bestehen umfassende Rechte: Prinzipiell haben sie Anspruch auf bis zu 3 Jahre Elternzeit. Während dieser Zeit gilt Kündigungsschutz und es besteht ein Anspruch auf Elterngeld. Elterngeld kann allerdings jeweils nur ein Elternteil monatlich beziehen.
Viele Unternehmen ermöglichen ihren Beschäftigten inzwischen flexible Arbeitszeitmodelle während und nach der Elternzeit. Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Väterbeteiligung gewinnt in diesem Kontext auch die regelmäßige Überprüfung interner HR-Prozesse und Richtlinien an Bedeutung. Besonders relevant sind ähnliche Themenfelder wie Kinderkrankentage, der korrekte Umgang mit Resturlaub, mögliche Ansprüche auf Urlaubsabgeltung sowie der Urlaubsanspruch in der Probezeit.
Sicher ist: Klare interne Regelungen schaffen in diesen Bereichen Rechtssicherheit und unterstützen zugleich eine moderne, familienfreundliche Personalpolitik. Damit stärken proaktiv aufgestellte Unternehmen nicht nur ihre Compliance, sondern werden auch von Mitarbeitern und Fachkräften als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen.
FAQ zum Vaterschaftsurlaub
Einen eigenständigen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Vaterschaftsurlaub gibt es aktuell nicht. Väter nutzen vor allem Elternzeit nach dem BEEG (Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz), ggf. vertraglich geregelten Sonderurlaub oder eine unbezahlte Freistellung in Absprache mit dem Arbeitgeber.
Die Elternzeit umfasst bis zu 3 Jahre pro Kind und lässt sich in bis zu 3 Abschnitte aufteilen. Finanziell unterstützt der Staat mit bis zu 14 Monaten Basiselterngeld pro Familie, das in der Regel 65 bis 67 % des vorherigen Nettoeinkommens beträgt.
Elternzeit muss spätestens 7 Wochen vor Beginn schriftlich und eigenhändig unterschrieben beim Arbeitgeber beantragt werden. Die Zeiträume für die ersten 2 Lebensjahre des Kindes sind verbindlich, Änderungen sind nur mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.
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