Wie viele Menschen arbeiten in Deutschland in Teilzeit?
Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird für das Jahr 2025 erwartet, dass rund 17 Millionen Bundesbürger in Teilzeit arbeiten. Das entspricht einer prognostizierten Quote von etwa 40,1%der Berufstätigen. Besonders hoch war der Anteil bei den Frauen: Laut Statistischem Bundesamt ging mit einem Anteil von 49% knapp jede zweite erwerbstätige Frau einer Teilzeitbeschäftigung nach. Das liegt vor allem daran, dass in Deutschland ein Großteil der familiären Care-Arbeit von Frauen übernommen wird. Bei Männern lag der Teilzeit-Anteil bei 12%.
Herausforderungen bei der Teilzeitarbeit
Teilzeit bringt Vorteile – aber auch Herausforderungen mit sich: Mehrarbeit, fehlende Aufstiegschancen oder Koordinationsprobleme im Team, die das Arbeitsklima möglicherweise beeinträchtigen, können typische Stolpersteine sein. Manchmal kann eine verringerte Arbeitszeit die Organisation von Prozessen erschweren.
Damit sich die Risiken in Grenzen halten, ist eine gute Planung rund um die Organisation des Arbeitsablaufs entscheidend. Dabei spielt die enge Kommunikation zwischen Mitarbeitenden, der HR-Abteilung und den jeweiligen Fachbereichen eine wichtige Rolle.
Gleichbehandlung ist wichtig
Teilzeitkräfte dürfen im Unternehmen nicht schlechter behandelt werden als Vollzeitbeschäftigte. Das gilt für Lohn, Urlaub, Weiterbildung und alle betrieblichen Leistungen wie zum Beispiel Weihnachtsgeld, wenn dies freiwillig oder im Rahmen betrieblicher Übung bezahlt wird. Eine unterschiedliche Behandlung ist nur in puncto Anspruchshöhe erlaubt. Die Berechnung erfolgt dabei immer anteilig im Verhältnis zur Arbeitszeit.
Human Resources Abteilungen wissen um diese Parameter Bescheid, sodass sich Fachabteilungen und Mitarbeitende bei Fragen an die jeweiligen HR-Manager wenden können.
Mehrarbeit muss vertraglich geregelt sein
Auch wenn viele Unternehmen von einer hohen Arbeitsproduktivität ihrer Teilzeitmitarbeiter berichten, kann es in der Praxis selbst bei Gleitzeit immer wieder zu einem zeitlichen Mehrbedarf seitens des Arbeitgebers kommen. Mehrarbeit ist möglich, allerdings nur bis zur individuell vereinbarten Arbeitszeit. Alles darüber hinaus sind theoretisch Überstunden – und die müssen vertraglich geregelt oder vergütet werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine lückenlose Arbeitszeiterfassung.
Unternehmen und Mitarbeiter müssen Pausenzeiten berücksichtigen
Das deutsche Arbeitsrecht sieht ab einer täglichen Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden geregelte Pausenzeiten vor. Das bedeutet, Mitarbeiter sind verpflichtet, nach 6 Stunden eine 30-minütige Pause einzulegen. Damit das Arbeitszeitkonto keine Minusstunden aufweist, gilt es für Mitarbeiter, diese Pausenzeit zusätzlich zu ihrer vertraglich geregelten Arbeitszeit einzuplanen. Dabei ist es egal, ob der Mitarbeiter im Büro oder im Homeoffice tätig ist.
Wichtig für Arbeitgeber: Die Arbeits- und Pausenzeiten müssen über die betriebsinternen Zeiterfassungssysteme dokumentiert sein.
Mögliche Gründe für Teilzeitarbeit
Flexibel und selbstbestimmt arbeiten zu können, ist für viele Arbeitnehmer heutzutage wichtiger denn je. Dabei sind die Motive für eine Verringerung der Arbeitszeit vielfältig. Die häufigsten Gründe auf einen Blick:
- Betreuung von Familienmitgliedern: Teilzeit erleichtert die Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege oder Kinderbetreuung. Sie verschafft wertvolle Zeit für Familie und Angehörige.
- Mehr Zeit für Aus- und Weiterbildungen: Viele Menschen nutzen Teilzeit, um sich beruflich weiterzubilden – etwa durch ein aufbauendes Studium, Zertifikatskurse oder Umschulungen.
- Freiwilliger Wunsch aus persönlichen Gründen: Manche Menschen entscheiden sich aus freien Stücken für mehr Freizeit, weniger Stress oder einen besseren Ausgleich zwischen Job und Privatleben.
Eine Teilzeit-Tätigkeit bedeutet für immer mehr Menschen eine gute Work-Life-Balance. Wenn Arbeitgeber diesen Wunsch flexibel erfüllen können, überträgt sich dies häufig auch in eine bessere Mitarbeitererfahrung und -bindung. Auch ein stärkeres Employee Engagement kann für Unternehmen die positive Folge sein, wenn Mitarbeitende sich mit ihren persönlichen Zielen und Bedürfnissen gesehen und wertgeschätzt fühlen: Sie haben mehr Lust, sich einzubringen.
Nachteile von Teilzeitarbeit für Unternehmen und Mitarbeiter
Bei allen Vorteilen von Teilzeit-Modellen, bringt diese Form der Arbeitszeit für Mitarbeitende und Unternehmen nicht nur Vorteile mit sich:
Für Unternehmen: Erreichbarkeit
In den meisten Branchen muss gute Erreichbarkeit gewährleistet sein. Unternehmen, die Mitarbeiter in Teilzeit beschäftigen, sollten entsprechend darauf achten, dass auch jene Zeiträume abgedeckt sind, die außerhalb der Arbeitszeit ihrer Teilzeitbeschäftigten liegen. Das kann etwa durch Job-Tandems, klar definierte Vertretungssituationen, Abwesenheits-Mails oder eine Sprachnachricht auf dem Anrufbeantworter geregelt sein.
Für Mitarbeiter: Geringeres Einkommen und weniger Rente
Eine Entscheidung für Teilzeitarbeit wirkt sich auch auf die Gehaltsabrechnung aus. Weniger Stunden bedeuten weniger Gehalt – das kann finanzielle Spielräume einschränken.
Da Rentenbeiträge auf Basis des Einkommens berechnet werden, führt Teilzeit zudem oft zu geringeren Rentenansprüchen im Alter. Auch das sollten Mitarbeiter in ihre Erwägung mit einbeziehen.
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